10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Peter Härtling  [ Deutschland ]

Biographie

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© Stephan Morgenstern, Beltz & Gelberg

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

poeme und songs
[Ill: Fritz Ruoff]
Bechtle
Eßlingen, 1953

Das war der Hirbel
[Ill: Christa aus dem Siepen]
Beltz & Gelberg
Weinheim, 1973

Krücke
[Ill: Sophie Brandes]
Beltz & Gelberg
Weinheim/Basel, 1986

Paul, das Hauskind
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2010

Liebste Fenchel!
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2011

Peter Härtling, 1933 in Chemnitz geboren, wuchs in Sachsen, Mähren, Österreich und Württemberg auf. In dem Bestreben, sich dem direkten Zugriff der Nazis zu entziehen, floh die Familie am Ende des Zweiten Weltkriegs mit vielen Zwischenstationen Richtung Westen. Sein Vater, ein Rechtsanwalt, geriet jedoch in russische Gefangenschaft und starb dort im Juni 1945. Seine Mutter beging wenige Wochen nach Erhalt der Nachricht 1946 Selbstmord. So wuchs der 13-Jährige bei seiner Großmutter und zwei Tanten auf. Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn stand die journalistische Mitarbeit bei verschiedenen Zeitschriften, unter anderem als literarischer Redakteur und später als Mitherausgeber der Zeitung »DER MONAT«. Von 1967 war er als Cheflektor und schließlich von 1968 bis 1973/74 als Sprecher der Geschäftsführung für den S. Fischer Verlag tätig. Immer wieder engagierte er sich überparteilich für die von ihm unterstützten politischen Vorstellungen und übernahm seit den 1980er Jahren Gastdozenturen an Hochschulen.
1953 debütierte Peter Härtling mit dem Gedichtband »poeme und songs«. Die Liste seiner bis heute erschienenen Gedichte, Aufsätze und Kinderromane ist lang, ebenso wie die Zahl der ihm verliehenen Literaturpreise. Sein Interesse an Menschen und deren Geschichten bildet gemeinsam mit den Erfahrungen seiner Kindheit und insbesondere dem traumatischen Verlust seiner Eltern die Grundsteine seines literarischen Schaffens. Einsamkeit, Ausgrenzung und Fremdsein, aber auch Zivilcourage und Empathie für den Mitmenschen ziehen sich leitmotivisch durch sein Werk. »Ich glaube, dass man Kindern alles zumuten kann – jedes Thema wie Tod, Liebe, Trauer, Hass usw. –, man muss es nur so schreiben, dass es nicht über ihre Köpfe hinweggeht oder dass es sie verletzt«, begründet Peter Härtling 1998 rückblickend im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk seine Motivation, 1973 in »Das war der Hirbel« das zu jener Zeit in der Kinderliteratur tabuisierte Thema geistiger Behinderung aufzugreifen. In seinem aktuellen Kinderbuch »Paul, das Hauskind« (2010) erzählt der Autor aus der Perspektive seines Protagonisten Paul von dessen Vernachlässigung durch seine Eltern. Die Verantwortung für die großen und kleinen Alltagssorgen des einsamen und wütenden 13-Jährigen übernehmen die Mitglieder der Hausgemeinschaft, in der Paul aufwächst, wenngleich alle Beteiligten dabei die Grenzen dieser Fürsorge erkennen müssen. Differenziert hält der Autor hier ein Plädoyer dafür, ein Bewusstsein für das tägliche Leiden von Kindern hinter den Kulissen der Wohlstandsgesellschaft zu entwickeln.
Peter Härtling erhielt für sein kinderliterarisches Gesamtwerk unter anderem 2001 den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises und 2011 den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e. V. Er lebt als freier Schriftsteller in Walldorf bei Frankfurt a. M.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.haertling.de]

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