10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Peter Goldsworthy  [ Australien ]

Biographie

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© Nicholas Purcell

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Wunsch und ich
Volk und Welt
Berlin, 1997
[Ü: Margitt Lehbert]

Maestro
Deuticke
Wien, 2007
[Ü: Susanne Costa]

Nacht für drei Hunde
Deuticke
Wien, 2009
[Ü: Susanne Costa]

Gravel
Hamish Hamilton
Camberwell/Victoria, 2010

Ernster als Liebe
Deuticke
Wien, 2011
[Ü: Susanne Costa]

Peter Goldsworthy wurde 1951 in Minlaton auf der Halbinsel Yorke, Südaustralien, geboren. Er wuchs in verschiedenen Kleinstädten auf dem Kontinent auf, machte seinen Schulabschluss in Darwin und studierte Medizin in Adelaide. Ab 1974 arbeitete er als Arzt in verschiedenen Rehabilitationszentren für Alkohol- und Drogenabhängige. Zugleich begann er damals seiner Leidenschaft für Literatur schreibend nachzugehen und veröffentlichte erste Gedichte in Zeitschriften. Seither versucht er seine Arbeit als Arzt mit seinem Wirken als Schriftsteller in Einklang zu bringen.

Im Jahr 1982 debütierte er zugleich mit der Kurzgeschichtensammlung »Archipelagoes« (Ü: Archipele) und mit dem Lyrikband »Readings from Ecclesiastes« (Ü: Angaben aus dem Buch Prediger). Letzterer wurde, wie auch weitere Gedichtbände des Autors, mit seinen ironischen Versen von der Kritik wohlwollend aufgenommen. Bei einem breiteren Publikum gelang ihm der Durchbruch mit Erscheinen seines ersten Romans »Maestro« (1989; dt. 2007). In dem klaren, trügerisch einfachen Stil an Hemingway erinnernd, erzählt Goldsworthy von der Beziehung des Jugendlichen Paul zu seinem Klavierlehrer Eduard Keller, der ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt. Aus Pauls Perspektive geschrieben, mischen sich Schulerlebnisse, Familienanekdoten und Überlegungen zur Musik feinfühlig mit Berichten aus den Klavierstunden. Im Ergebnis entsteht eine »lebenskluge, melancholische Meisteretüde« (»Focus«) über eine eigenwillige Freundschaft. Große Gefühle und die Irrungen und Wirrungen menschlicher Beziehungen stehen auch bei den anderen Romanen Goldsworthys im Mittelpunkt. So widmet er sich in dem subtilen Band »Wish« (1995; dt. »Wunsch und ich«, 1997) der Beziehung zwischen einem Gebärdensprachlehrer und einer Gorilladame und thematisiert dabei behutsam moralische Fragen von der Liebesfähigkeit bis hin zur Bestialität. Sein preisgekrönter Roman »Three Dog Night« (2003; dt. »Nacht für drei Hunde«, 2009) handelt in der Weite der australischen Wüste von Liebe und Eifersucht zwischen drei Menschen, von denen einer todkrank ist. In dem zuletzt von ihm veröffentlichten Roman »Everything I Knew« (2008; »Ernster als Liebe«, 2011) versetzt sich Goldsworthy, wie auch schon in »Maestro«, feinfühlig in einen Jugendlichen in den 1960er Jahren hinein, dessen Schwärmerei für seine Lehrerin im südaustralischen Kleinstadtmilieu zur tragischen Katastrophe gerinnt. Dabei stellt er, was Motiv und Moral angeht an Tolstoi erinnernd, das Verhältnis von Opfer und Täter gekonnt infrage. Neben Kurzgeschichten, Gedichten und Romanen hat der Schriftsteller auch Libretti für zwei Opernwerke verfasst und zwei Bühnenfassungen eigener Romane.

Der Autor wurde vielfach für sein schriftstellerisches Wirken ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er den Commonwealth Poetry Prize, den FAW Christina Stead Award for Fiction und den Robert Helpmann Award für die beste Oper. Peter Goldsworthy lebt als Schriftsteller und Arzt in Adelaide.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.petergoldsworthy.com]

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