10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Miriam Toews  [ Kanada ]

Biographie

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© Carol Loewen

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Summer of My Amazing Luck
Turnstone
Winnipeg, 1996

Ein komplizierter Akt der Liebe
Berlin Verlag
Berlin 2005
[Ü: Christiane Buchner]

Kleinstadtknatsch
Berlin Verlag
Berlin 2007
[Ü: Christiane Buchner]

Die fliegenden Trautmans
Berlin Verlag
Berlin, 2008
[Ü. Christiane Buchner]

Kleiner Vogel, klopfendes Herz
Berlin Verlag
Berlin 2011
[Ü. Christiane Buchner]

Miriam Toews wurde 1964 in Steinbach (Manitoba), einer Mennoniten-Stadt in Zentralkanada, geboren. Nach Beendigung der Highschool verließ sie Steinbach, lebte in Montreal, bereiste Europa und kam erst zum Studium nach Manitoba zurück. Nach einem Bachelor in Filmkunst studierte sie in Halifax Journalismus, produzierte zahlreiche Radiodokumentationen und schrieb für eine Reihe von Zeitschriften, wofür sie 1999 mit der National Magazine Award Gold Medal for Humour geehrt wurde. Toews’ erster Roman »The Summer of My Amazing Luck« (1996; dt. »Der Sommer meines Lebens«, voraussichtl. 2012) wartet mit Witz und ungewöhnlichen Schauplätzen auf. Die Protagonistin ist eine alleinerziehende minderjährige Mutter, die von der Sozialhilfe lebt und in eine Wohngemeinschaft in Winnipeg zieht, wo sie das Trauma des Todes ihrer Mutter zu überwinden hofft. Toews spielt in ihrem Debüt mit sozialen Stereotypen und schildert auf lebendige Weise den täglichen Kampf ihrer Charaktere. Ihr zweiter Roman »A Boy of Good Breeding« (1998; dt. »Kleinstadtknatsch«, 2007) ist in einem kleinen Ort in Manitoba angesiedelt, dessen schrullige Bewohner sich um jeden Preis den Status der kleinsten Kleinstadt Kanadas bewahren wollen. Dafür müssen sie die Einwohnerzahl konstant halten, zumindest bis zum Nationalfeiertag, für den sich der Premierminister angemeldet hat. Auch hier zeigt sich Toews als glänzende Satirikerin und lässt es weder an Skurrilität der Figuren noch an hintergründigem Witz fehlen. Das Sachbuch »Swing Low: A Life« (2000) schrieb Toews in Erinnerung an ihren Vater, der an Depressionen litt, wofür man in der mennonitischen Stadt Steinbach in jener Zeit wenig Verständnis zeigte. Das Buch beschreibt zudem ihre Kindheit und Jugend inmitten einer religiös-konservativen Gemeinschaft. Ihr Roman »A Complicated Kindness« (2004; dt. »Ein komplizierter Akt der Liebe«, 2005) verhalf Toews zum internationalen Durchbruch. Wiederum spielt die Handlung in einer Art fiktionalisiertem Steinbach. Eine 16-jährige Tochter von Russlandmennoniten träumt vom Ausbruch aus der kleinstädtischen Enge und einer Begegnung mit Lou Reed in den New Yorker Slums. Sprachlich greift Toews hier das Plautdietsch auf, den Dialekt der Russlandmennoniten. Für »A Complicated Kindness« wurde Toews mit dem bedeutendsten kanadischen Literaturpreis, dem Governors General’s Award, ausgezeichnet. Sie selbst klassifiziert das Buch als »Kritik am Fundamentalismus und einer Kultur der Kontrolle und Strafe«. 2008 erschien »The Flying Troutmans« (dt. »Die fliegenden Trautmans«, 2008), eine Mischung aus Roadnovel und Familiendrama, das zugleich unterhaltsam ist und ernsthaft die Probleme einer zerrissenen Familie behandelt. In »Irma Voth« 2008; dt. »Kleiner Vogel, klopfendes Herz«, 2011) schließlich kehrt sie zurück zu ihren Wurzeln und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die lernen muss, sich selbst zu vergeben. Miriam Toews lebt in Toronto.

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