10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Michail Schischkin  [ Russland, Schweiz ]

Biographie

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Gast des ilb 2011, 2012, 2013, 2014.

Bibliographie

Wsjatije Ismaila

Vagrius

Moskau, 2000

Die russische Schweiz
Ein literarisch-historischer Reiseführer
Limmat
Zürich, 2003
[Ü: Franziska Stöcklin]

Venushaar
DVA
München, 2011
[Ü: Andreas Tretner]

Briefsteller

DVA

München, 2012

[Ü: Andreas Tretner]

Auf den Spuren von Byron und Tolstoj

Rotpunktverlag

Zürich, 2012

[Ü: Franziska Stöcklin]

Michail Schischkin wurde 1961 in Moskau geboren. Nach Abschluss eines Studiums der Germanistik und der Anglistik an der dortigen Staatlichen Pädagogischen Universität schrieb er drei Jahre lang für die Jugendzeitschrift »Rowesnik«, bevor er die nächsten zehn Jahre Deutsch und Englisch an einer Moskauer Schule unterrichtete. 1995 übersiedelte er nach Zürich und arbeitete dort zunächst als Lehrer und Dolmetscher für das Migrationsamt.

Ersten Veröffentlichungen in der russischen Literaturzeitschrift »Snamija« ab 1993 folgte 1998 auf Deutsch der Abdruck der Erzählung »Willkommen in Z« in dem Sammelband »Küsse und eilige Rosen. Die fremdsprachige Schweizer Literatur«. Sein Romandebüt feierte Schischkin 1999 mit »Wsjatije Ismaila« (Ü: Die Eroberung von Ismail), der zunächst ebenfalls in einer Ausgabe von »Snamija« abgedruckt wurde, bevor er ein Jahr später auch als Buch verlegt wurde. Ebenfalls 2000 schrieb Schischkin seinen literarisch-historischen Reiseführer »Russkaja Schweizarija« (dt. »Die russische Schweiz«, 2003), bevor er 2002 (sowie 2012 in einer Neuauflage) »Auf den Spuren von Byron und Tolstoj. Eine literarische Wanderung von Montreux nach Meiringen« unternahm. Seit Erscheinen seines Romans »Wenerin Wolos« (dt. »Das Venushaar«, 2010), 2005 zunächst wieder in »Snamija« abgedruckt, ist Schischkin ausschließlich als Schriftsteller tätig. Aufbauend auf der russischen literarischen Tradition und diese weiterentwickelnd – eine Rezension zu »Das Venushaar« sieht den Autor auf den Spuren von Nikolai Gogol, während Schischkin selbst u.~a. Tschechow und Nabokov als Vorbilder nennt –, erzählt dieser Roman von den Erlebnissen eines Dolmetschers für Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion bei Vernehmungen durch die Schweizer Einwanderungsbehörde. Über die Formulierung des fremden Leids findet der Dolmetscher auch Worte für seine eigene Migrationsgeschichte, die wiederum durch Verweise in über ein einzelnes Leben hinausgehende historische-kulturelle Zusammenhänge eingebettet wird. Die »Neue Zürcher Zeitung« nannte »Das Venushaar« einen »der wichtigsten Romane der russischen Gegenwartsliteratur« und lobte die Fähigkeit des Autors, viele Stile sowie komplexe Erzählebenen auf raffinierte Weise zu verbinden.

Nachdem Schischkins Erzählung »Urok kalligrafii« (1993; Ü: Die Kalligrafiestunde) 1994 als bestes russisches Debüt des Jahres gewürdigt worden war, gewann er 2000 den Russischen Booker-Preis. Auch »Das Venushaar« wurde mit zahlreichen Ehrungen bedacht, u.~a. dem Nationaler Bestseller-Preis in Russland (2005) sowie 2011 mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt. Zuletzt veröffentlichte Schischkin, der sich seit 2012 kritisch über die russische Politik äußert, den Roman »Pismownik« (2011; dt. »Briefsteller«, 2012). Er lebt in Kleinlützel im Kanton Solothurn.