10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Kim Chi-ha  [ Republik Korea ]

Biographie

Portrait Kim Chi-Ha
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Die gelbe Erde und andere Gedichte
Suhrkamp
Frankfurt am Main, 1983
[Ü: Doohwan Choi u. Siegfried Schaarschmidt]

Blütenneid
Wallstein
Göttingen, 2005
[Ü: Yang Han-ju u. Matthias Göritz]

Aufgehen der Knospe
Abera
Hamburg, 2006
[Ü: Kang Seung-Hee mit Torsten Zaiak]

Kim Chi-ha (eigentlich Kim Yong-il) wurde 1941 in Mokpo im südlichen Korea geboren. 1959 nahm er an der Universität Seoul ein Studium der Ästhetik auf. Seine ersten Gedichte publizierte er 1969 in der koreanischen Literaturzeitschrift »Shi-in« (Ü: Der Dichter).
1970 erschien seine Gesellschaftssatire »Die fünf Banditen«, in der er die Rhythmen der traditionellen koreanischen Volksepik Pansori als Form einer Widerstandspoesie aufgriff und sie um Themen und Motive erweiterte, die das alltägliche Leben von Bauern, Fischern und Arbeitern spiegeln. Im selben Jahr erschien seine Anthologie »Die gelbe Erde«. 1971 konvertierte er zum Katholizismus, die Behörden verboten die Aufführung seiner Dramen »Der kupferne Yi Sun-sin« und »Napoleon Cognac«. Aufgrund seines Engagements gegen das diktatorische Regime von Park Chung-hee wurde Kim Chi-ha, dessen Pseudonym so viel wie »Untergrund« bedeutet, mehrfach verhaftet und 1974 schließlich zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde kurz darauf in lebenslängliche Haft umgewandelt. Unter starkem Protest eines internationalen Rettungskomitees, an dem sich u. a. Jean-Paul Sartre, Heinrich Böll und Noam Chomsky beteiligten, kam Kim Chi-ha 1975 frei, wurde aber bald darauf wieder in Haft genommen und erst 1980 aus humanitären Gründen entlassen. Während Kim Chi-ha in den Jahren der Diktatur das Gedicht als eine »Waffe des Wortes« verstanden hatte, verabschiedete er sich nach der Aufhebung des Verbots seiner Gedichte 1984 von seiner Rolle als Sprachrohr der Demokratiebewegung. Kim Chi-has Hinwendung zur »Philosophie des Lebens« fand in seinen Gedichten aus den frühen achtziger Jahren ihren Ausdruck und wurzelt im traditionellen asiatischen Denken. Thematisch widmete sich sein lyrisches Schaffen fortan der Beobachtung der Natur, dem Erkennen universaler Zusammenhänge, den Themen Liebe, Tod, Trauer und Einsamkeit. »Wirklich / einsam. / Mir / ist nichts geblieben, deshalb / umarme ich / die Sonne und den Mond, / auch die verzehrte Erde, das durch und durch / korrupte Leben, / auch das leise Stöhnen der / Würmer im Wald. / Das seltene / Lachen meiner Familie / ist bloße Zugabe. / Nur daraus besteht noch / mein Leben.« Ab den neunziger Jahren betrachtete es Kim Chi-ha als »Auftrag des Himmels«, mit der Sprache sparsam umzugehen, um das Leben aus den Lücken erklingen zu lassen. In dieser Zeit erschien sein Gedichtband »Leiden der Mitte« (1994; dt. »Blütenneid«, 2005). Die neue Tendenz im lyrischen Schaffen von Kim Chi-ha kommt auch im 2002 in Korea erschienenen Band »Aufgehen der Knospe« (dt. 2006) zum Ausdruck, für den er mit zwei renommierten koreanischen Literaturpreisen geehrt wurde – dem Manhae-Preis und dem Daesan-Preis 2002.
Außerdem wurde Kim Chi-ha 1980 in den Niederlanden zum »Lyriker des Jahres« gewählt und erhielt 1981 den österreichischen Bruno-Kreisky-Preis.

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