10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Ken Babstock  [ Kanada ]

Biographie

Babstock_Ken_c_Hartwig Klappert_portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Mean
House of Anansi Press
Toronto, 1999

Days into Flatspin
House of Anansi Press
Toronto, 2001

Airstream Land Yacht
House of Anansi Press
Toronto, 2006

Methodist Hatchet
House of Anansi Press
Toronto, 2011

Ken Babstock wurde 1970 in Neufundland in einer Pfarrersfamilie geboren und wuchs im Ottawa-Tal auf. Bereits als Jugendlicher befasste er sich mit der Dichtkunst, in Abkehr von der Kirchensprache, die er als verlogen empfand. Sein Interesse an Philosophie führte ihn zur Concordia University von Montreal, doch dann brach er das Studium ab und verrichtete zwölf Jahre lang körperliche Schwerstarbeit in Irland und Kanada, in Wäldern, Fabriken und auf dem Bau. Aus diesen Erfahrungen schöpfte er Inspiration für viele Gedichte, die zunächst in Zeitschriften und Anthologien erschienen und ihm bald erste Literaturpreise eintrugen.
1999 erschien Babstocks erster Gedichtband unter dem vieldeutigen Titel »Mean«. Darin erkundet er die ursprünglich-wilden Landschaften seiner Jugend genauso wie die Abgründe der menschlichen Natur, kontrastiert unberührte Idylle mit zerstörerischen Erscheinungsformen von Zivilisation und bringt die Gewalt zum Vorschein, die bei Mensch und Natur unter der Oberfläche lauert. Zwei Jahre später legte der Lyriker den Band »Days into Flatspin« (2001; Ü: Tage im Flachtrudeln) vor. Stilistische Meisterschaft, überraschende Metaphorik und vollendete Klangkunst zeichnen auch hier die Gedichte aus, die durch eine Fülle von Formen und Themen bestechen. Ein Frisbee-Spiel wird zum Sonett, der Anblick einer Kuh führt zur Reflexion über Werden und Vergehen, ein platter Reifen erinnert an die surrealen Uhren von Dalí. Ein anderes Gedicht bezieht sich auf Géricaults »Das Floß der Medusa«: Babstock ist – bei aller Naturverbundenheit − in vielen Kulturen zu Hause und schlägt immer wieder eine Brücke von der Neuen zur Alten Welt. Mit »Airstream Land Yacht« (2006; Ü: Luftstrom Land Yacht), dessen Titel der Bezeichnung für ein Wohnmobil entlehnt ist, wurde der Dichter über die Grenzen der anglofonen Welt hinaus bekannt. 2007 nominierte man ihn für den Governor General’s Award und den Griffin Poetry Prize, den weltweit höchstdotierten Lyrikpreis. Die Jury begründete ihre Auswahl u. a. mit Babstocks ungeheurer Bandbreite: »Hier haben wir es mit einem Dichter zu tun, der praktisch alles gestalten kann, in formaler wie thematischer Hinsicht, Liebe, Landschaft, Körper, Stadt, physischer Schmerz und die freudige Wahrnehmung sinnlicher Details einer Welt voller Wunder und Rätsel […]. Babstock kann prägnant sein, von abgründiger Komik, zärtlich, elegisch, weise, geheimnisvoll, doch ist er dabei stets unverbraucht und stets aufrichtig.« Neue Gedichte wurden ausgewählt für »Best Canadian Poetry 2008«, »2009« und »2010«, außerdem für »The Oxford Anthology of Canadian Literature in English«. Auch Babstocks vierter Band »Methodist Hatchet« (2011; Ü: Methodistenbeil) wurde von der Kritik positiv aufgenommen.
Ken Babstock wurde mit verschiedenen weiteren literarischen Preisen geehrt, u. a. erhielt er den Milton Acorn Award, den Atlantic Poetry Prize und den Trillium Book Award. Der Autor lebt in Toronto, ist derzeit aber Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

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