10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Kader Abdolah  [ Iran, Niederlande ]

Biographie

Kader Abdolah
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Die Reise der leeren Flaschen
Alexander Fest
Berlin, 1999
[Ü: Christiane Kuby]

Die geheime Schrift
Die Notizen des Agha Akbar
Klett-Cotta
Stuttgart, 2003
[Ü: Christiane Kuby]

Dawuds Traum
Klett-Cotta
Stuttgart, 2005
[Ü: Christiane Kuby]

Das Haus an der Moschee
Claassen
Berlin, 2007
[Ü: Christiane Kuby]

De koning
De Geus
Breda, 2011

Kader Abdolah, eigentlich Hossein Sadjadi Ghaemmaghami Farahani, wurde 1954 im iranischen Arak geboren. Früh träumte er davon, wie sein Ururgroßvater ein bekannter Schriftsteller zu werden, heimlich las er Literatur aus westlichen Ländern. Während seines Physikstudiums in Teheran schloss er sich der linken studentischen Untergrundbewegung an, die zunächst gegen die autoritäre Herrschaft des Schahs kämpfte und später gegen das fundamentalistische Regime des Ayatollah Khomeini. Klandestin veröffentlichte Abdolah zwei Romane, bevor er 1985 aus dem Iran flüchtete. Sein Pseudonym ist der Name eines ermordeten Freundes. Nach einem Aufenthalt in der Türkei erhielt er 1988 politisches Asyl in den Niederlanden und begann dort ein neues Leben. Fünf Jahre später erschien sein erstes auf Niederländisch geschriebenes Buch, der Erzählband »De adelaars« (Ü: Die Adler), für den er den Literaturpreis Het Gouden Ezelsoor für das meistverkaufte Debüt des Jahres erhielt.
Abdolahs Werk ist eng mit seinen Erfahrungen im niederländischen Exil verbunden. In seinem ersten Roman »De reis van de lege flessen« (1997; dt. »Die Reise der leeren Flaschen«, 1999) beschreibt der Autor eindringlich die Widersprüche im Leben des Exiliraners Bolfazl, der als politischer Flüchtling in den Niederlanden zwischen zwei Welten steht. Auch in dem autobiografisch geprägten Roman »Spijkerschrift« (2000; dt. »Die geheime Schrift«, 2003) wird der Bogen zwischen zwei vollkommen unterschiedlichen Welten gespannt. Esmail bekommt im Amsterdamer Exil das in einer kaum lesbaren Schrift verfasste Manuskript seines taubstummen Vaters über sein Leben in einem kleinen persischen Bergdorf zugeschickt. Er übersetzt es und erfährt so mehr und mehr über seine eigene Herkunft. Ebenfalls autobiografische Züge trägt der Bestseller »Het huis van de moskee« (2005; dt. »Das Haus an der Moschee«, 2007). Vor dem Hintergrund der politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts wird die Geschichte des religiösen Teppichhändlers Agha Djan und seiner Großfamilie erzählt, die unter dem Regime des Ayatollah zerbricht. »Ich möchte die Geschichte der Personen aufschreiben, mit denen ich die ersten 34 Jahre meines Lebens verbracht habe. Ich möchte die Wahrheit erzählen«, so Abdolah. Meisterhaft schöpft der Autor dabei aus den unterschiedlichen Erzähltraditionen: Persische Motive, der poetische Sinn für das Indirekte und die metaphernreiche Sprache des Korans werden in den niederländischen Kontext seiner Werke integriert und zu raffinierten Kompositionen verwoben.
Zuletzt veröffentlichte Abdolah den Roman »De koning« (2011; dt. »Der König«, voraussichtl. 2013) über Naser al-Din Schah, im 19. Jahrhundert König von Persien. Neben zahlreichen Preisen erhielt der Autor 2009 die Ehrendoktorwürde der Rijksuniversiteit Groningen. Er lebt in der Nähe von Amsterdam.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.kaderabdolah.nl]

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