10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Gary Shteyngart  [ USA ]

Biographie

Gary Shteyngart
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Handbuch für den russischen Debütanten
Berlin Verlag
Berlin, 2003
[Ü: Christiane Buchner und Frank Heibert]

Snack Daddys abenteuerliche Reise
Berlin Verlag
Berlin, 2006
[Ü: Robin Detje]

Super Sad True Love Story
Rowohlt
Reinbek, 2011
[Ü: Ingo Herzke]

Gary Shteyngart wurde 1972 im damaligen Leningrad als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Als er sieben Jahre alt war, emigrierten seine Eltern mit ihm nach New York. Schon als Kind ein begeisterter Leser russischer und jüdisch-amerikanischer Literaten, wuchs er in den USA auf und studierte nach der Highschool zunächst Politikwissenschaften am Oberlin College in Ohio. In den frühen neunziger Jahren arbeitete er bei einer Hilfsorganisation für Flüchtlinge. Später begann er als Kulturjournalist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben, bevor er sich verstärkt dem literarischen Schaffen zuwandte. An der City University of New York absolvierte er schließlich noch den Studiengang Kreatives Schreiben, den er mit einem MFA abschloss.
Eine Reise nach Prag inspirierte ihn zu seinem ersten Roman, mit dem er auf einen Schlag in den USA bekannt wurde: »The Russian Debutante’s Handbook« (2002; dt. »Handbuch für den russischen Debütanten«, 2003). Darin erzählt Shteyngart von einem jungen russischen Einwanderer, der in Amerika an eine Gruppe mafiöser Landsleute gerät. Er lässt sich von der Russenmafia anheuern und geht in eine Hauptstadt in Europas Wildem Osten, wo ihm eine Blitzkarriere als Gangster winkt. Der Roman war nicht zuletzt eine humorvolle Abrechnung mit jenem Prag der Neunziger, das bekiffte junge Amerikaner so verehrten. Auch die beiden anderen seither von dem Autor verfassten Romane zeichnen sich durch eine aberwitzige Handlung und einen satirisch-humoristischen Tonfall aus. Stets nimmt er dabei seine russisch-jüdische Herkunft auf die Schippe. So handelt sein zweites Romanwerk »Absurdistan« (2006; dt. »Snack Daddys abenteuerliche Reise«, 2006) von einem russischen Amerikaner, der zugleich der fettleibige Sohn des reichsten Mannes von ganz Russland ist. Nachdem sein Vater jedoch einem Attentat zum Opfer gefallen ist, sitzt der Oligarchenspross in Petersburg fest und gerät in postsowjetische Bürgerkriegswirren. Sein jüngster Roman »Super Sad True Love Story« (2010; dt. 2011) entwirft eine Dystopie in naher Zukunft, in der ein jüdisch-russischer Amerikaner der eigenen Unsterblichkeit nachjagt und sich zugleich in eine 15 Jahre jüngere Frau verliebt. Vorbilder wie Nabokov, Turgenjew und Philip Roth stehen bei seinem Schreiben Pate, aber zugleich ist Shteyngart »so böse wie Borat und lustiger als Nabokov [...], ein großer Satiriker, in dessen Händen sich die Gegenwart zu einem Gebilde verbiegt, das schillert und glänzt und rattert und rappelt wie eine Albtraummaschine für erwachsene Kinder« (»Die Zeit«).
Der Autor wurde mit verschiedenen literarischen Auszeichnungen geehrt. Unter anderem war er Fellow an der American Academy in Berlin, wurde mit dem Stephen Crane Award for First Fiction und mit dem National Jewish Book Award for Fiction ausgezeichnet. Gary Shteyngart lebt in Manhattan.

© internationales literaturfestival berlin

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