10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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DBC Pierre  [ Australien, Irland ]

Biographie

DBC Pierre
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Jesus von Texas
Aufbau
Berlin, 2004
[Ü: Karsten Kredel]

Bunny und Blair
Aufbau
Berlin, 2007
[Ü: Henning Ahrens]

Das Buch Gabriel
Eichborn Verlag
Frankfurt, 2010
[Ü: Kirsten Riesselmann]

DBC Pierre wurde als Peter Warren Finlay 1961 in einem Vorort von Adelaide, South Australia, geboren. Bis er sieben Jahre alt war, wuchs Finlay größtenteils in England auf. Dann übersiedelte seine Familie in ein Anwesen nach Mexico City, wo er den Rest seiner Kindheit und Jugend verlebte. Als er 16 war, erkrankte sein Vater, ein Wissenschaftler, schwer und verstarb drei Jahre später. Die Abwertung des mexikanischen Pesos hatte das Familienvermögen der Finlays immens dezimiert und Peter Warren versuchte sich als bildender Künstler, jobbte als Designer und Fotograf für Kunden auf der ganzen Welt. Durch waghalsige Projekte wie eine Filmproduktion über Montezumas Schatz sowie seinen stetig steigenden Drogenkonsum gab er schließlich das restliche Vermögen aus und häufte zudem mehrere Hunderttausend Dollar Schulden an. Mit Ende 20 kam der Zusammenbruch, danach Drogenentzug, mehrere Jahre psychiatrische Therapie, Arbeitslosigkeit. Mit 37 war er bereit, sein Leben neu zu beginnen, und beschloss, sich als Schriftsteller zu versuchen.
Mit seinem Debütroman »Vernon God Little« (2003; dt. »Jesus von Texas«, 2004), den er unter seinem seither verwendeten Pseudonym DBC Pierre (DBC steht für »dirty but clean«) veröffentlichte, gelang dem Autor auf Anhieb der Durchbruch: Das Buch wurde mit dem renommierten Man Booker Prize ausgezeichnet und ein internationaler Bestseller. Rasant geschrieben, erzählt das Werk aus der Ich-Perspektive die Geschichte von Vernon Little aus einem kleinen texanischen Ort, den alle Welt und insbesondere die Medien für einen Amoklauf in seiner Schule verantwortlich machen, der auf das Konto seines Kumpels Jesus geht. »Wütend wie ein Song von Eminem und witzig wie ein Film von Tarantino« (Bayerischer Rundfunk), erinnert die kritische Satire an Vorbilder wie J. D. Salinger oder William S. Burroughs. Auch mit seinem zweiten Roman, »Ludmila’s Broken English« (2006; dt. »Bunny und Blair«, 2007), legte der Autor eine temporeiche Satire vor, bei der sich Ost und West über die Begegnung der siamesischen Zwillinge Bunny und Blair aus England, die erst mit 33 Jahren voneinander getrennt werden, mit einer Schönheit im Bürgerkriegs-Kaukasus näherkommen. In seinem jüngsten Roman, »Lights Out in Wonderland« (2010; dt. »Das Buch Gabriel«), nimmt er die Dekadenz des kapitalistischen Konsums aufs Korn, dem der Ich-Erzähler Gabriel im Rahmen eines apokalyptischen Bankett-Events einen Denkzettel verpassen möchte – ganz nach dem Motto: »Der Profit hat das Spiel gewonnen, dabei aber wie ein Infekt seinen Wirt getötet«, wie es im Buch heißt.
DBC Pierre wurde für seine Werke mit verschiedenen Auszeichnungen geehrt. Neben dem Man Booker Prize erhielt er u. a. auch den Whitbread First Novel Award und den Bollinger Everyman Wodehouse Prize. Der Autor lebt im County Leitrim, Irland.

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