10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Chih-Yuan Chen  [ Taiwan ]

Biographie

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© Privat

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Memories
Hsin Yi Publications
Taipeh, 2000

The Featherless Chicken
Heryin Books
Alhambra, 2006

Gui-Gui, das kleine Entodil
Fischer Schatzinsel
Frankfurt a. M., 2008
[Ü: Barbara Wang]

Kleiner Spaziergang. Ein Bilderbuch aus Taiwan
Baobab Books
Basel, 2010
[Ü: Johannes Fiederling]

Chih-Yuan Chen, geboren 1975 in Taiwan, liebte das Entwerfen eigener Bilderwelten bereits als Kind. Im Alter von 19 Jahren begann er schließlich, sich auf das Illustrieren von Geschichten für Kinder zu konzentrieren.
In seinen Bilderbüchern, in denen er sowohl die Erzählsprache der Text- als auch Bildebene entwirft, gestaltet er die interkulturellen Fragestellungen, die viele seiner Bilderbücher leitmotivisch durchziehen, auf eine Art und Weise, die auf der ganzen Welt verstanden wird. Sein feinsinniger Blick für die Besonderheit der kleinen Szenerien des kindlichen Alltags kommt einer Respekt zollenden Verbeugung vor der Imaginationskraft von Kindern gleich. In »On My Way to Buy Eggs« (2001; dt. »Kleiner Spaziergang«, 2010) begleitet der Leser das Mädchen Hsiao-Yü bei seinen Erledigungen durch die Stadt. Eine ihr vor die Füße gerollte blaue Murmel wird dabei zum Farbfilter mit Zauberkräften, lässt ein Blick durch sie doch die bekannte Umgebung in neuem Licht erscheinen. Kurze Momentaufnahmen, wie die Wassertropfen auf einer Blume, ein Blick durch die Brille eines Fremden und der Schatten einer Katze, werden zum Ausgangspunkt für eine Neuentdeckung der Umwelt mit allen Sinnen. Chih-Yuan Chens Illustrationen spiegeln diese Übergänge von der Alltagswelt zu deren Transformation durch die kindliche Wahrnehmung mit ihrer Reduktion, die dabei subtile und assoziative Deutungs- und Erzählräume für den Betrachter eröffnet. Seine dezente Farbgebung kombiniert er mit einem filigranen Illustrationsstil aus geschnittenem Papier, Collagetechnik und Strichzeichnungen. »Unerschrockenes Glück scheint auf diesen Seiten auf, erhellt die kindliche Gabe, das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen zu finden, und zieht das Auge und das Herz des Lesers wie ein Magnet an«, umreißt Heather Vogel Frederick das Erzählkonzept in »The New York Times« 2004. Vom Anderssein erzählt Chih-Yuan Chens Bilderbuch »Guji Guji« (2004; dt. »Gui-Gui, das kleine Entodil«, 2008). Alles beginnt mit einem verirrten Ei, das trotz äußerlicher Unterschiede von einer Entenmutter ausgebrütet wird. Da keines der fünf geschlüpften Küken dem anderen gleicht, wächst das blaugraue Krokodil Gui-Gui dort vermeintlich unter seinesgleichen auf. Als jedoch eines Tages drei Krokodile versuchen, Gui-Guis Loyalität als Artgenosse für ihr Ziel, die Entenfamilie zu fressen, zu instrumentalisieren, erkennt Gui-Gui, dass er weder Krokodil noch Ente, sondern ein »Entodil« ist. Seiner Zugehörigkeit gewiss, ersinnt er einen Plan zur Rettung seiner Adoptivfamilie. Mit Tinte sowie Wasserfarbe und einem rhythmischen Wechselspiel gedämpfter Grundfarben und Farbakzentuierungen erzählt der Taiwaner in seiner Parabel von Zugewandtheit, Toleranz sowie der Entdeckung der eigenen Individualität und Identität.
Chih-Yuan Chen erhielt bereits dreimal den renommierten Hsin Yi Picture Books Award. Sein Buch »Guji Guji« schaffte es bis auf die »New York Times» Top Ten List und »On My Way to Buy Eggs« wurde 2003 von »Publishers Weekly« zum Best Illustrated Book of the Year gewählt. Chih-Yuan Chen lebt und arbeitet in Taiwan.

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