10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Bernardo Carvalho  [ Brasilien ]

Biographie

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Aberração
Companhia das Letras
São Paulo, 1993

Neun Nächte
Luchterhand
München, 2006
[Ü: Karin von Schweder-Schreiner]

Mongólia
Luchterhand
München, 2007
[Ü: Karin von Schweder-Schreiner]

In São Paulo geht die Sonne unter
Luchterhand
München, 2009
[Ü: Karin von Schweder-Schreiner]

O Filho da Mãe
Companhia das Letras
São Paulo, 2009

Bernardo Carvalho wurde 1960 in Rio de Janeiro geboren. In den frühen 1990ern lebte der studierte Journalist als Auslandskorrespondent der Tageszeitung »Folha de São Paulo« in Paris und New York, bevor er zunächst Oliver Sacks und Bruce Chatwin ins Brasilianische übersetzte und sich dann vollends dem literarischen Schaffen zuwandte.
Carvalho debütierte 1993 erfolgreich mit dem Erzählband »Aberração« (Ü: Abweichung). Dort tauchen bereits die Leitmotive auf, die sich in Varianten durch seine bislang neun folgenden Romane ziehen: Geheimnisse, die es zu enthüllen gilt, Vergangenes, das die Gegenwart durchdringt, die Verstrickung von Dichtung und Wahrheit sowie das Spiel mit verschiedenen Perspektiven und Identitäten. Wer einen Roman des Autors liest, wird unweigerlich zum Detektiv und damit zur handelnden Figur. Auch der Verfasser selbst ist dem Text gewissermaßen als Figur eingeschrieben, seine Ich-Erzähler sind oft verhinderte Autoren, die zu Chronisten oder Protokollanten der Geschichten avancieren, die sie über Dritte in Erfahrung bringen. Das Abgründige, Labyrinthische, Verschachtelte seiner Bücher legte schon früh den Vergleich mit Borges nahe. Mit seinem sechsten Roman »Nove Noites« (2002; dt. »Neun Nächte«, 2006) gelang dem Autor der internationale Durchbruch. Diesem liegt die wahre Geschichte des amerikanischen Anthropologen Buell Quain zugrunde, der sich während eines Forschungsaufenthalts bei den Krahô-Indianern im brasilianischen Urwald 1939 das Leben nahm. Rund 60 Jahre später begibt sich ein Journalist auf die Spuren des Selbstmörders und reist an den Fluss Xingu, um Quains letzte Tage zu rekonstruieren. Während die Spurensuche immer neue Fragen aufwirft, erfährt der Suchende auf seiner ganz persönlichen Reise ins Herz der Finsternis einiges über sich selbst. Der Folgeroman »Mongólia« (2003; dt. 2007) führt einen brasilianischen Diplomaten gegen seinen Willen in die Mongolei, um einen spurlos verschwundenen Fotografen und Landsmann ausfindig zu machen. Sehr plastisch wird hier die zunächst von Misstrauen geprägte Begegnung mit einer fremden Kultur geschildert. Das physische Erleben der Fremde ist für Carvalho selbst wesentlicher Bestandteil des Schreibprozesses – er bereist intensiv die Orte, an denen seine Romane spielen. Sein neustes Werk, »O Filho da Mãe« (2009; Ü: Der Sohn der Mutter), wird derzeit ins Deutsche übertragen. Nachdem der Autor den Leser u.~a. an den Amazonas, in die Mongolei und nach Japan entführt hat, wirft er darin eine neue Perspektive auf den Kampf russischer Soldatenmütter und das Los tschetschenischer Flüchtlinge. Im fiktiven Universum Carvalhos ist Raum für die ganze Welt – in mehr als einer Erscheinungsform.
Der Autor wurde mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet. Darunter waren die bedeutendsten brasilianischen Ehrungen Machado des Assis und Jabuti. Bernardo Carvalho lebt in São Paulo und ist derzeit Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

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