10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Andrzej Bart  [ Polen ]

Biographie

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Rien ne va plus
Poprzeczna Oficyna
Łódź, 1991

Pociąg do podróży
Noir sur Blanc
Warschau, 1999

Don Juan raz jeszcze
Wydawnictwo Literackie
Krakau, 2006

Rewers
W.A.B.
Warschau, 2008

Die Fliegenfängerfabrik
Schöffling
Frankfurt a. M., 2011
[Ü: Albrecht Lempp]

Andrzej Bart, geboren 1951, wird auch als polnischer Thomas Pynchon bezeichnet, da er es bevorzugt, seine Kritiker über Bücher und Filme reden zu lassen, ohne seine eigene Meinung dazu zu äußern. In jungen Jahren schrieb Bart den Roman »Rien ne va plus«. Aus politischen Gründen konnte diese epische Geschichte über Polen und seine Einwohner, beschrieben aus dem Blickwinkel eines Fremden, für lange Zeit nicht veröffentlicht werden. Als der Autor, Regisseur und Drehbuchautor den Roman 1991 publizierte, wurde er mit dem renommierten Koscielski-Preis ausgezeichnet. Anschließend wurden drei Ausgaben des Buches in Polen veröffentlicht.
In »Pociąg do podróży« (2003; »The Travel Bug«) begleitet der Autor zwei Außenseiter, einen Juden und einen Deutschen, die ins Jahr 1900 transferiert werden, um den jungen Adolf Hitler umzubringen. Ihre ausgefallene Reise dient als Vorwand, um die Unschuld Europas vor der Erfahrung zweier Weltkriege zu untersuchen. Unter dem Pseudonym Paul Scarron Jr. publizierte Bart den metaphysischen Mysterienroman »The Fifth Rider of Apocalypse« (1999). Im Roman »Don Juan raz jeszcze« (2006; »Don Juan Revisited«) büßt der alte Don Juan in einem Kloster die Sünden seiner Jugend ab. Gezwungenermaßen bricht er zu seinem letzten Abenteuer auf. Er verführt Juana, die Königin von Kastilien, die mit der Leiche ihres Mannes Spanien durchquert. Barts meistübersetztes Buch ist »Fabryka Muchołapek« (2008; dt. »Die Fliegenfängerfabrik«, 2011), das für den Nike-Preis nominiert wurde. Dies ist die Geschichte einer der umstrittensten Gestalten der modernen Geschichte, Chaim Rumkowski, Vorsitzender des Judenrates im Ghetto von Łódź. In »Rewers« (2009; »The Reverse«) erweckt Bart einen seiner Charaktere wieder zum Leben, der in »Rien ne va plus« Selbstmord begangen hatte. Ein junges Mädchen, welches sich im stalinistischen Polen in einer unausweichlichen Lage befunden hatte, hat nun die Möglichkeit, dem Bösen erfolgreich entgegenzutreten.
2009 gewann »The Reverse« den Hauptpreis des renommiertesten polnischen Filmfestivals in Gdynia, den Goldenen Löwen. Seitdem bekam »The Reverse« zahlreiche Auszeichnungen bei internationalen Filmfestspielen wie den Preis für Best New Director beim 36. Seattle International Film Festival und den Preis für Best Debut Feature beim 32. International Film Festival in Moskau.
Bart produzierte einige Dokumentarfilme sowie den Fernsehfilm »Boulevard Voltaire«, der beim Sopot Festival 2011 den Preis für Best Director und Best Script erhielt. Momentan arbeitet er an der Produktion des Films »The Flytrap Factory«.

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