10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2011 / Altaf Tyrewala

Altaf Tyrewala  [ Indien ]

Biographie

Altaf Tyrewala
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Kein Gott in Sicht
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2006
[Ü: Karin Rausch]

An Indian Porn Director’s Speech
to His Hesitant Leading Lady

In: First Proof 2
The Penguin Book of New Writing From India
Penguin Books India
Mumbai, 2006

Voices de la India
(de Tagore a Tyrewala)
[Hg: Michi Strausfeld]
Siruela
Madrid, 2006
[Ü: María Corniero]

Excess
The Tehelka Book of Short Stories
[Hg: Jai Arjun Singh u. Nisha Susan]
Hachette India
Gurgaon, 2010

Mumbai Noir
[Hg: Altaf Tyrewala]
Akashic Books
New York, 2012

Altaf Tyrewala wurde 1977 im indischen Mumbai geboren. Von 1995 bis 1999 studierte er in New York am Baruch College Betriebswirtschaft und hielt sich mit verschiedenen Jobs über Wasser. Die Stadt wurde ihm zum Synonym für »Hunger, Kälte und Knochenarbeit«; er sehnte sich zurück nach seiner Heimat − eine Sehnsucht, die er bis zu seiner Rückkehr durch intensive Lektüre von Romanciers wie Salman Rushdie, Arundhati Roy und Rohinton Mistry stillte. Vom Lesen zum Schreiben war es dann nur ein kleiner Schritt: Zunächst arbeitete Tyrewala noch als Softwarespezialist und veröffentlichte nebenbei einige Kurzgeschichten. 2002 begann er die Arbeit an seinem ersten Roman. Als »No God in Sight« 2005 dann erschien (dt. »Kein Gott in Sicht«, 2006), wurde der Autor mit einem Schlag nicht nur in Indien, sondern weltweit bekannt.
Ursprünglich strebte Tyrewala ein großes panindisches Epos nach Rushdies Vorbild an, erkannte dann jedoch, dass die Wirklichkeit in seiner stark gettoisierten Geburtsstadt nach einer anderen Form der Fiktionalisierung verlangte. Mumbai hat mit rund 17 Millionen Einwohnern, zahllosen Minderheiten und Sprachen ein babylonisches Ausmaß erreicht. Den verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind jeweils bestimmte Stadtteile vorbehalten, und selbst mit viel Geld sind diese unsichtbaren Grenzen so schwer zu überwinden wie das Kastensystem. Tyrewala, der aus einer liberalen muslimischen Familie stammt, stellt in seinem Debütroman die Lebenswelt der Muslime in den Mittelpunkt, die die Mehrheitsgesellschaft der Hindus bloß am Rand berührt. Bemerkenswert ist, dass der Autor keine orientalisch-barocke Erzählweise wählt, um das Schicksal einer vielfältigen Schar von Protagonisten zu schildern, sondern eine höchst moderne, nüchtern-karge Sprache, die zugleich poetisch und anschaulich genug ist, um uns die Fülle der Megalopolis vor Augen zu führen. Rund vierzig Figuren treten darin auf, die – einander mal eng, mal ganz lose verbunden − der Reihe nach in kurzen Monologen aus ihrem Leben erzählen. So gelingt es ihm in seinem Roman, die unfassbaren Gegensätze auf engstem Raum einzufangen. Zurzeit sitzt Tyrewala an seinem zweiten Roman, der wieder in Mumbai spielen wird und von den gesamtgesellschaftlichen Folgen der Globalisierung handeln soll.
Altaf Tyrewala wurde weltweit von der Kritik hoch gelobt. So urteilte sein Vorbild Salman Rushdie über sein Debüt: »Ein Werk voll Feuer, großem Talent und Esprit, einfallsreich und mit leichter Hand geschrieben. Seine tiefe Menschlichkeit erweckt eine Welt intensiven und denkwürdigen Lebens.« Der Autor lebt und arbeitet in Indien und den USA, ist derzeit jedoch Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

© internationales literaturfestival berlin

abgelegt unter: