10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Agnes de Lestrade  [ Frankreich ]

Biographie

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© Privat

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

La Petite fille qui ne voulait plus cracher
[Ill: Magali Bonniol]
L’école des loisirs
Paris, 2003

Der liebste Wolf der Welt
[Ill: Constanza Bravo]
Hanser
München, 2008
[Ü: Marcel Glück]

Die große Wörterfabrik
[Ill: Valeria Docampo]
Mixtvision
München, 2010
[Ü: Anna Taube]

Les baisers de Cornélius
[Ill: Charlotte Cottereau]
Balivernes
Francheville, 2011

Agnès de Lestrade, 1964 geboren, ist eine vielseitige Geschichtenerzählerin. So verfasst sie Kinderlieder, arbeitet im Bereich bildende Kunst, betreut Schreibwerkstätten, kreiert Gesellschaftsspiele und ist außerdem als Journalistin für die Zeitung »Créamania« tätig.
Seit ihrem kinderliterarischen Debüt »La Petite fille qui ne voulait plus cracher« (2003; Ü: Das kleine Mädchen, das nicht mehr ausspucken wollte) publiziert die Autorin jedes Jahr mehrere Titel. Mit ihren Geschichten möchte sie den Leser nicht nur zum Staunen und Träumen verführen, sondern auch das Vertrauen in die eigene Imaginationskraft stärken. Kreatives Denken sowie Handeln in einer lebensgefährlichen Situation und eine große Portion Liebenswürdigkeit sind es, die ein kleines Mädchen in »Le plus gentil loup du monde« (2005; dt. »Der liebste Wolf der Welt«, 2008) den Versuch unternehmen lassen, aus dem Fleischfresser Wolf einen auf Diät gesetzten Vegetarier zu machen. Im inneren Widerstreit zwischen Opportunismus und Instinkt verhält dieser sich tagsüber domestiziert, begibt sich nachts jedoch auf die Jagd. Die seinem Wesen entsprechende Suche nach dem gewünschten »Nachtisch« bringt auch das kleine Mädchen in Gefahr. Die Illustrationen greifen den schelmisch-sarkastischen Erzählton der Textebene auf und spiegeln diesen in vielschichtigen, gewitzten Details. Die Grundthemen vom Guten im Bösen sowie Vorurteilen, aber auch der aktuelle Diätwahn unserer Gesellschaft werden hier zeitgenössisch im Gewand des Märchens gestaltet. Den eigenen Gefühlen gerecht werden zu können ist auch Pauls Wunsch in »La grande fabrique de mots« (2009; dt. »Die große Wörterfabrik«, 2010). Zu gerne würde er Marie offenbaren, was er für sie empfindet. Doch Kommunikation ist in seiner Heimat keine Selbstverständlichkeit. Bevor man Wörter aussprechen kann, muss man sie käuflich erwerben. Wie viele andere muss Paul diese aus Geldnot im Müll suchen oder mit Schmetterlingsnetzen aus der Luft angeln. Als Oskar mit zwei langen Sätzen Marie seine Zuneigung kundtut, trägt auch Paul ihr die drei einzigen, leider unzusammenhängenden Wörter, die er besitzt, voller Gefühl vor. Ein kleines, auf den ersten Blick unscheinbares Wörtchen steht schließlich am Beginn ihrer Freundschaft. Die hier verwandten typografischen Gestaltungsmittel von Bild und Text korrespondieren mit den zentralen Themenaspekten des Bilderbuchs sowie den Emotionen der handelnden Figuren in einem assoziativen Wechselspiel. So kann dieses Bilderbuch gelungen von »der Liebe sprechen, vom Wert der Wörter, von der Kraft ehrlicher Gefühle, von Schmetterlingen, die dann fliegen − das ist nicht einfach, ohne kitschig zu werden«, urteilt Silke Schnettler in »Die Zeit«.
Agnès de Lestrade erhielt u. a. 2010 den Prix Papillotes sowie den Prix littéraire de la Citoyenneté für »La grande fabrique de mots«. Sie lebt im Département Gironde auf dem Land.

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