10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Wladimir Kaminer  [ Deutschland, Russland ]

Biographie

ldw.Kaminer.portrait.jpg
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2007, 2010, 2012, 2014.

Bibliographie

Russendisko

Manhattan

München, 2000

Militärmusik

Manhattan

München, 2001

Ich bin kein Berliner

Ein Reiseführer für faule Touristen

Manhattan

München, 2007

Es gab keinen Sex im Sozialismus

Legenden und Missverständnisse

des vorigen Jahrhunderts

Manhattan

München, 2009

Meine kaukasische Schwiegermutter

Manhattan

München, 2010

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Nach einer Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk studierte er Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. 1990 wanderte er nach Ost-Berlin, in die gerade noch bestehende DDR, aus. Nach der Unterbringung in einem Ausländerwohnheim in Marzahn machte er den Prenzlauer Berg zum Mittelpunkt seines Lebens und Schreibens. Als Kolumnist wurde er mit skurrilen Beschreibungen aus dem Berliner Alltag und den Wirrungen des deutschen Einheitsprozesses sowie mit Reminiszenzen an die untergegangene sowjetische Lebenswelt bekannt. Er veröffentlichte u. a. in der »Zitty«, der »taz«, der »Frankfurter Rundschau« und der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Daneben trat er auf unabhängigen Berliner Lesebühnen auf.

Seine erste Erzählsammlung »Russendisko« (2000) trägt den Titel einer von Kaminer und seinem Mitstreiter Yuriy Gurzhy im Jahr 2000 improvisierten Tanzveranstaltung im Berliner Kaffee Burger, die inzwischen legendär geworden ist und bis heute regelmäßig stattfindet. Die dort zelebrierte Mischung aus Polka-Punk, Klezmer-Ska und Balalaika-Rock illustriert Kaminers künstlerisches Prinzip der spaßorientierten, nostalgischen Anarchie. »Nie etwas ausdenken, sondern dem Leben vertrauen« ist der Leitsatz der Erzählungen in »Russendisko«, die mit genauen Beobachtungen, Ironie und Wohlwollen Kleinode der Absurdität aus dem Alltag filtern. Das Buch avancierte schnell zum Bestseller und wurde inzwischen u. a. ins Englische, Französische, in mehrere osteuropäische Sprachen und ins Japanische übersetzt.

Mit »Militärmusik«, einem humorvollen Abgesang auf die alte Sowjetunion und die eigene Kindheit und Jugend, veröffentlichte er 2001 seinen ersten Roman. Der »real existierende Sozialismus« ist auch thematische Fundgrube seiner »Legenden und Missverständnisse des vorigen Jahrhunderts« »Es gab keinen Sex im Sozialismus« (2009). Dass der Autor inzwischen Insider der deutschen Gesellschaft, vor allem aber einzelner Berliner Stadtbezirke ist, beweist er unter anderem in »Mein deutsches Dschungelbuch« (2003) und »Ich bin kein Berliner. Ein Reiseführer für faule Touristen« (2007). Sein letztes Buch, »Meine kaukasische Schwiegermutter« (2010), beschreibt Kaminers Rückkehr in die Heimat und ist wie vorherige Werke gespickt mit Figuren und Situationen, die geschickt zwischen Ironie, Witz und Realismus changieren, oft surreale Züge annehmen, dank Kaminers Sprache aber nie ihre Leichtigkeit verlieren.

Kaminer ist einer der beliebtesten deutschsprachigen Autoren. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Prenzlauer Berg.

[http://www.russendisko.de]

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