10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Vladislav Bajac  [ Serbien ]

Biographie

ldw.Bajac.portrait.JPG
© Emil Vas

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Evropa na leđima bika
Književne novine
Belgrad, 1988

Knjiga o bambusu
Književne novine
Belgrad, 1989

Druid iz Sindiduna
Narodna knjiga
Belgrad, 1998

Bekstvo od biografije
Život u osam imena
Čigoja štampa
Belgrad, 2001

Hamam Balkanija
Arhipelag
Belgrad, 2008

Vladislav Bajac wurde 1954 in Belgrad, Serbien, geboren. Er studierte jugoslawische Philologie und Weltliteratur an der Belgrader Universität und arbeitete danach als Journalist. Er übersetzte Prosa und Lyrik aus dem Englischen ins Serbische, darunter die Anthologien »The Poets of the Beat Generation« (1979), »Trip. A Guide to Contemporary American Poetry« (1983) sowie Leonard Cohens Gedichtband »The Energy of Slaves« (1981). Seine eigenen Gedichte erschienen erstmals 1972 in »Koji put do ljudi vodi« (Ü: Welcher Weg führt zu Menschen). Mit seinen Haikus gewann Bajac 1991 und 1993 den International Itoen Haiku Poetry Contest in Tokio. Es folgten Veröffentlichungen von Kurzgeschichten, darunter 1988 der Prosaband »Evropa na leđima bika« (Ü: Europa auf dem Rücken des Stiers), für den Bajac den serbischen Stevan-Pešić-Preis für die beste Prosa des Jahres erhielt. Sein erster Roman »Knjiga o bambusu« (Ü: Das Buch vom Bambus) folgte ein Jahr später.

Für seinen neuesten Roman, »Hamam Balkanija« (2008) wurde Bajac als zweiter Serbe mit dem Internationalen Literaturpreis Balkanika ausgezeichnet. Die Handlung spielt sich auf zwei Zeitebenen ab, im 16. Jahrhundert und heute. Die Protagonisten der Gegenwart, darunter Orhan Pamuk, Alberto Manguel, Allen Ginsberg und Bajac selbst, treffen auf historische Persönlichkeiten wie den Großwesir des Osmanischen Reiches Sokollu Mehmed Paşa, Süleyman den Großen und dessen Schwiegersohn Großwesir Rüstem Paşa. Bajac geht jedoch über den Ansatz eines historischen Romans hinaus und hebt die Handlung auf eine zeitlose Ebene. Teils in Tagebuchform, teils im Stil einer historiografischen Metafiktion umkreist Bajac die Grenzlinie zwischen Fiktion und Realität, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Er verbindet räumliche und zeitliche Ebenen und spürt den Parallelen zwischen den verschiedenen Welten nach. Ohne sich an die realen Biografien seiner historischen Figuren zu halten, entwickelt er frei das Geschehen in Geschichte und Gegenwart. Ein Hauptthema des Romans ist das Problem der aus Herkunft und Glauben resultierenden multiplen Identität eines Menschen. Auch stilistisch zeigt der Roman eine multiple Struktur: eine klassisch strukturierte Erzählweise wechselt sich mit der modernen Stilistik der Prosa des 20. und 21. Jahrhunderts ab. In der Originalausgabe ist ein Teil des Buches in kyrillischen, der andere in lateinischen Buchstaben gesetzt.

Bajac ist Vizepräsident des Serbischen PEN-Zentrums sowie Gründer und Vorsitzender des Verlags Geopoetika Publishing in Belgrad. Der Autor lebt in Belgrad.

© internationales literaturfestival berlin

Vladislav Bajac
© Ali Ghandtschi

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