10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Vladimir Sorokin  [ Russland ]

Biographie

Portrait Vladimir Sorokin
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2010, 2012.

Bibliographie

Die Schlange
Haffmans
Zürich, 1990
[Ü: Peter Urban]

Trilogie
Ljod. Das Eis (2003)
Bro (2006)
23 000 (2010)
Berlin Verlag
[Ü: Andreas Tretner]

Der Tag des Opritschniks
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2008
[Ü: Andreas Tretner]

Der Zuckerkreml
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2010
[Ü: Andreas Tretner]

Der Schneesturm
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2012
[Ü: Andreas Tretner]

Vladimir Sorokin wurde 1955 in Bykowo bei Moskau geboren. Nach seinem Ingenieursstudium am Gubkin-Institut der Erdgas- und Erdölindustrie arbeitete er ein Jahr lang bei der Zeitschrift »Smena«, beschäftigte sich mit Malerei und Grafik, nahm an zahlreichen Ausstellungen teil und illustrierte etwa fünfzig Bücher. Als Autor debütierte Sorokin Anfang der siebziger Jahre in einer Zeitung der Erdölindustrie. In den achtziger Jahren gehörte er dem »Moskauer Untergrund« der Künstler und Literaten an und publizierte im »Samisdat«. Sein erster Roman »Očered‘« (dt. »Die Schlange«, 1990) erschien 1985 beim französischen Verlag Syntaxe. Erst nach der Perestroika wurde er einem größeren Publikum in Russland bekannt. Sorokin gilt als einer der Hauptvertreter des Konzeptualismus in der russischen Literatur. In seinen Werken spielt er mit verschiedenen Genres und Stilen, parodiert das Pathos des Sozialistischen Realismus, benutzt Versatzstücke aus Volkserzählungen und Trivialliteratur, kombiniert Elemente politischer Satire und sowjetischer Legenden mit Gewaltdarstellungen sowie utopischen Visionen. Vor allem seine parodistischen Dekonstruktionen russischer und sowjetischer Klassiker und die Verwendung pornografischer Elemente veranlassten die russische Jugendbewegung »Iduščie vmeste«, öffentliche Protestaktionen gegen Sorokin zu veranstalten.

In seiner »Eis«-Trilogie (2005) hat Sorokin sich als »Reaktion auf die Enttäuschung über den modernen Intellektualismus« vorübergehend vom Konzeptualismus verabschiedet. Er verbindet reale historische Ereignisse mit fantastischen Elementen und schildert den Kampf einer »Bruderschaft des Lichts« gegen die Menschheit, um die Erde – eine Hölle der Körperlichkeit, Sexualität und Gewalt – ins ewige Sein zurückzuführen. Sein darauffolgender Roman »Den’ opričnika« (2006; dt. »Der Tag des Opritschniks«, 2008) ist eine Anti-Utopie, deren Handlung im Russland des Jahres 2027 spielt. Auch »Saharniy Kreml« (2008; dt. »Zuckerkreml«, 2010), das ein in der nahen Zukunft angesiedeltes Russland der Informationstechnologie und Massenarmut schildert, knüpft an diese Thematik an. Sorokins jüngster Roman »Metel« (2010; dt. »Der Schneesturm«, 2012) schildert die fantastische Reise des Landarztes Garin, der die Verbreitung einer rätselhaften Krankheit zu verhindern sucht – nicht ohne die Stoffe der großen russischen Erzählungen zu evozieren. Erneut ist Sorokins Darstellung eines imaginären Russlands von stark parodistischen Zügen geprägt.

Vladimir Sorokin ist Autor zahlreicher Drehbücher und Theaterstücke, die zumeist auf deutschsprachigen Bühnen uraufgeführt wurden. Seine Bücher sind in 22 Sprachen übersetzt worden. 2001 wurde Sorokin u. a. mit dem Andrej-Bely-Preis für besondere Verdienste für die russische Sprache ausgezeichnet. Er erhielt den französischen Orden Chevalier des Arts & Lettres und ist Mitglied des russischen P.E.N. 2011 war Sorokin Writer in Residence am Institut für Komparatistik der kalifornischen Stanford University und lebt heute in Moskau.

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