10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Sverre Henmo  [ Norwegen ]

Biographie

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© Jo Michael

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Zusammen sind wir eins und eins

Carlsen

Hamburg, 2002

[Ü: Kerstin Hartmann-Butt]

Für immer mein Opa

[Ill: Stefanie Scharnberg]

Carlsen

Hamburg, 2006

[Ü: Gabriele Haefs]

Hier wohnt Ben und da Marie

[Ill: Stefanie Scharnberg]

Carlsen

Hamburg, 2008

[Ü: Gabriele Haefs]

Großer Bruder, kleiner Bruder

Hanser

München, 2009

[Ü: Gabriele Haefs]

Wow. 7 kjærestefortellinger

[Mit Anna Bache-Wiig, Annette Münch u. a.]

[Ill: Helena Ohlsson]

Cappelen Damm

Oslo, 2010

Sverre Henmo wurde 1968 in Bærum, Norwegen, geboren. Nach Abschluss seines Studiums im Bereich Soziologie, Mathematik und Französisch in Oslo entschied sich der spätere Lehrer und Autor gegen eine Musikerkarriere und stattdessen für das Schreiben. Heute gibt er Schreibkurse und engagiert sich auf praktischer sowie institutioneller Ebene in der Literaturvermittlung. So sucht er in Autorenlesungen ganz bewusst den Dialog mit seinem jugendlichen Publikum. Seit 2008 ist er zudem Vorsitzender des Rates norwegischer Kinder- und Jugendbuchautoren.

Auf sein Debüt als Jugendbuchautor mit dem Roman »Sammen er vi én og én« (1999; dt. »Zusammen sind wir eins und eins«, 2002) und die darin geschilderte Liebesgeschichte zweier Jugendlicher auf der Schwelle zum Erwachsenwerden folgten weitere Kinder- und Jugendbücher zu typischen jugendkulturellen Fragestellungen wie Freundschaft, Familie − u. a. der Verlust eines Familienangehörigen in »Når dinosaurer gråter« (2003; dt. »Für immer mein Opa«, 2006) −, oder der Schule und der Auseinandersetzung mit der zentralen Bezugsgruppe der Gleichaltrigen. Sein Jugendbuchtext »Gutten til venstre« (2006; dt. »Großer Bruder, kleiner Bruder«, 2009) erzählt von der Beziehung zwischen einem Studenten und seinem jüngeren, behinderten Bruder zwischen Abhängigkeit und Unabhängigsein. Neben Themen wie erste Liebe und emotionale Abgrenzung von den Eltern überrascht der Roman mit der Darstellung der mitunter schrägen sozial-künstlerischen Experimente, die Adrians bester Freund Otto durchführt und in denen er sich mit normierten Gesellschaftskodizes auseinandersetzt. Henmo geht es dabei weniger um eine direkte Erörterung des Themas Behinderung, vielmehr wirft er einen analytischen Blick auf die familiären Strukturen unter dem Einfluss des täglichen Lebens mit einem geistig und körperlich eingeschränkten Familienmitglied. Mit den Augen seines Protagonisten beobachtet er die Entfremdung der Eltern, deren Leben sich vollkommen auf die Bedürfnisse des jüngeren Kindes ausgerichtet hat und die darüber ihr eigenes Leben vergessen zu haben scheinen. Christina Rademacher betont diese Qualität in ihrer Rezension in »1000 und 1 Buch«: »Bewundernswert ist, wie der Norweger alles Schwere, das diesem Thema innewohnt, in leichte Lektüre verwandelt, ohne es zu bagatellisieren. Im Gegenteil: mit seiner Art, den Erzählstoff zart, aber gründlich abzutasten, eröffnet Henmo zwischen den Zeilen Assoziationsräume. Nachvollziehbar und lebensnah zeichnet er mit seinen Figuren ein Jahr, in dem aus Krisen Chancen zum Aufbruch in ein anderes Leben werden.«

»Gutten til venstre« wurde 2005 für den norwegischen Kritikerpreis nominiert. Sverre Henmo lebt mit seiner Familie in Oslo.

[http://www.henmo.no]

Sverre Henmo
© Ali Ghandtschi

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