10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Sema Kaygusuz  [ Türkei ]

Biographie

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© Cemil Agacikoglu

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Ortadan Yarısından

Can Yayınları

Istanbul, 1997

Doyma Noktası

Can Yayınları

Istanbul, 2002

Wein und Gold

Suhrkamp

Frankfurt a. M., 2008

[Ü: Barbara Yurtdas, Hüseyin Yurtdas]

Der Bettler und Gott

In: Multikultur 2.0. Willkommen im Einwanderungsland Deutschland.

Hg. Arjun Appadurai/Susanne Stemmler

Wallstein

Göttingen, 2011

Schwarze Galle

Matthes & Seitz

Berlin, 2013

[Ü: Sabine Adatepe]

Sema Kaygusuz wurde 1972 in der türkischen Küstenstadt Samsun geboren. Ihre Kindheit war von häufigen Wechseln des Wohnorts geprägt, da ihr Vater vom Militär immer wieder in verschiedene Städte Anatoliens versetzt wurde. So gewann die Autorin bereits früh einen Einblick in die landschaftliche und kulturelle Vielfalt ihres Heimatlandes, die bis heute das narrative Panorama ihrer literarischen Arbeiten bildet. 1990 bis 1994 studierte Kaygusuz in Ankara Kommunikationswissenschaften und verfasste während dieser Zeit bereits ihre ersten, mit kleineren Preisen prämierten Kurzgeschichten. Nach Abschluss ihres Studiums zog sie nach Istanbul um, wo sie an verschiedenen Erzählungen arbeitete, die in mehreren Bänden veröffentlicht wurden.

Mit ihrem Debütroman »Yere Düşen Dualar« (2006; dt. »Wein und Gold«, 2008) wurde Kaygusuz schließlich über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Außerdem engagierte sich die Autorin auch in anderen künstlerischen Genres und schrieb u.~a. das Drehbuch zu Yeşim Ustaoğlus Film »Pandora’nın Kutusu« (2007; dt. »Pandora’s Box«, 2009), der 2008 auf dem Internationalen Filmfestival in San Sebastián mit der Goldenen Muschel ausgezeichnet wurde. Bereits die erste Sammlung von Erzählungen »Ortadan Yarısından« (1997; Ü: In der Mitte der Hälfte) zeigt, dass sich Kaygusuz vor allem für die inneren Kämpfe des Menschen mit den unliebsamen oder verborgenen Anteilen seiner Persönlichkeit interessiert. Verwandlung und der Tod sind dabei ebenso von Bedeutung wie die Suche nach dem wahren inneren Zuhause, dessen Zugang oft verschüttet ist. Mit den beiden folgenden Erzählbänden »Sandık Lekesi« (2000; Ü: Kistenfleck) und »Doyma Noktası« (2002; Ü: Sättigungspunkt) etablierte sich Sema Kaygusuz als unverwechselbare Stimme der jungen türkischen Literatur des neuen Jahrtausends, die sich verstärkt mit Problemen der eigenen Identität und Individualität auseinandersetzt. So zeigt auch das Romandebüt der Autorin eine junge Frau, die mit der erschütterten Identität ihres alkoholkranken Vaters konfrontiert wird und dessen seelische Verletzungen durch selbst erdachte mythologische Geschichten zu heilen versucht. In allen Werken erklingt eine musikalisch inspirierte und zugleich bildreiche Sprache, die mit der geheimnisumwitterten Innerlichkeit des Erzählgegenstands korrespondiert. Auf Deutsch erschien nach einem Beitrag für das Buch »Multikultur 2.0. Willkommen im Einwanderungsland Deutschland« (2011) zuletzt der Geschichtenband »Schwarze Galle« (2013; »Karaduygun«, 2012) über die erweiterten Sinne der Istanbuler Dichterin Birhan Keskin, auf Türkisch der Roman »Sultan ve Şair« (2013; Ü: Sultan und Dichter).

Kaygusuz wurde mit dem Cevdet-Kudret- und dem France-Turquie-Literaturpreis ausgezeichnet. 2010 hielt sie sich mit einem DAAD-Stipendium in Berlin auf; heute lebt sie in Istanbul, wo sie u.~a. Kreatives Schreiben unterrichtet.

[http://www.semakaygusuz.com]