10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Nuruddin Farah  [ Somalia ]

Biographie

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© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2003, 2008, 2010.

Bibliographie

Wie eine nackte Nadel

Lembeck

Frankfurt/Main, 1984

[Ü: Barbara Hillgen]

Maps

Ammann

Zürich, 1992

[Ü: Inge Uffelmann]

Aus einer gekrümmten Rippe

Lamuv

Göttingen, 1994

[Ü: Gunter Böhnke]

Geheimnisse

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2000

[Ü: Eike Schönfeld]

Netze

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2009

[Ü: Reinhild und Gunter Böhnke]

Nuruddin Farah wurde 1945 im südsomalischen Baidoa geboren. Seine Mutter war eine traditionelle Erzählerin, der Vater Kaufmann und Dolmetscher des britischen Gouverneurs. Farah erlernte fünf Sprachen: Somali, Amharisch, Arabisch, Italienisch und Englisch. Nachdem sein Heimatland die Unabhängigkeit erlangt hatte und später Grenzstreitigkeiten ausbrachen, ging Farah zum Studium der Philosophie, Soziologie und Literaturwissenschaft an die Punjab University im indischen Chandigarh. Nach der Veröffentlichung einer frühen Kurzgeschichte in Somali begann er während seiner Studienzeit auf Englisch zu schreiben. Internationale Bekanntheit erlangte er mit seinem ersten Roman »From a Crooked Rib« (1970; dt. »Aus einer Rippe gebaut«, 1984; »Aus einer gekrümmten Rippe«, 1994) über ein Nomadenmädchen, das flieht, um einer arrangierten Hochzeit mit einem älteren Mann zu entgehen. Aufgrund von Repressionen übersiedelte Farah 1974 nach London und studierte dort und in Essex Theaterwissenschaften. Ende der 1970er Jahre wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 22 Jahre lang lebte er in verschiedenen Ländern Europas, Afrikas sowie in den USA, wo er als Gastdozent Literatur unterrichtete.

Farah gehört zu den bedeutendsten Autoren des modernen Afrika. Sein Stil ist von der Kraft der Metaphern und Natursymbole inspiriert, die Farah aus den mündlichen Traditionen Somalias, aus Mythen, Sprichwörtern, nomadischen Überlieferungen und der Sufi-Mystik vertraut sind. Ein häufiges Thema ist die Situation der Frauen im postkolonialen Somalia vor dem Hintergrund des nationalen Identitätsverlusts, den Farah auch als Folge von Kolonialisierung und Neokolonialismus darstellt. Seine zweite Romantrilogie »Blood in the Sun« (1986/1993/1998) – wie die meisten seiner Werke ins Deutsche übersetzt – beschreibt die Suche nach sozialer, persönlicher, familiärer und sexueller Identität unter den Bedingungen von Diktatur und Gewalt. Die jüngsten Werke »Links« (2004; dt. 2005) und »Knots« (2007; dt. »Netze«, 2009) sind die ersten beiden Teile einer neuen Trilogie über Somalia. In »Links« kehrt ein gebürtiger Somalier, der zwanzig Jahre im New Yorker Exil verbracht hat, nach dem Tod seiner Mutter erstmals in seine Heimat zurück und findet eine vom Bürgerkrieg zerrüttete Stadt vor. In »Netze« bricht eine junge Frau aus dem kanadischen Exil in ihre Heimatstadt Mogadischu auf, um einem Warlord ein Familiengrundstück zu entreißen.

Farahs Romane, Theaterstücke und Hörspiele wurden in zwanzig Sprachen übertragen. In Somalia kursieren sie als Untergrundliteratur. Der Autor wurde weltweit mit zahlreichen Preisen geehrt. 2010 war er Mitglied der Wettbewerbsjury der 60. Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Farah lebt in Kapstadt.

Nuruddin Farah
© Ali Ghandtschi

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