10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Nino Haratischwili  [ Deutschland ]

Biographie

Portrait Nino Haratischwili
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Der Cousin und Bekina

Katzengraben-Presse

Berlin, 2001

Georgia / Liv Stein

Verlag der Autoren

Frankfurt a. M., 2009

Juja

Verbrecher-Verlag

Berlin, 2010

Mein sanfter Zwilling

Frankfurter Verlagsanstalt

Frankfurt a. M., 2011

Das achte Leben (Für Brilka)

Frankfurter Verlagsanstalt

Frankfurt a. M., 2014

Nino Haratischwili wurde 1983 in Tiflis, Georgien, geboren. Einem Studium der Filmregie an der dortigen staatlichen Schule für Film und Theater folgte von 2003 bis 2007 eine Ausbildung als Theaterregisseurin an der Theaterakademie in Hamburg. Bereits als Jugendliche hatte Haratischwili die deutsch-georgische Theatergruppe Fliedertheater gegründet, deren Leitung sie von 1998 bis 2003 übernahm und für die sie regelmäßig Stücke schrieb und inszenierte. Auch später war sie als Regisseurin für zahlreiche Uraufführungen verantwortlich. So brachte sie u.~a. 2006 ihr eigenes Stück »Z« im Thalia Theater Hamburg zum ersten Mal auf die Bühne und inszenierte 2011 auch »Das Leben der Fische« selbst am Deutschen Theater Göttingen. Zuletzt feierte ihr für das Projekt »The Art of Ageing« der European Theatre Convention als Koproduktion des Deutschen Theaters Berlin und des Slowakischen Nationaltheaters in Bratislava entstandener Theatertext »Land der ersten Dinge~/ Bludičky« 2014 unter der Regie von Brit Bartkowiak seine Weltpremiere. Ihre dramatischen Arbeiten wurden mehrfach geehrt, u.~a. 2008 mit dem Hauptpreis des Heidelberger Stückemarkts sowie 2010 mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis.

Neben Theaterstücken wie »Georgia~/ Liv Stein« (2009) und »Zorn« (2011) publizierte Haratischwili nach der Erzählung »Der Cousin und Bekina« (2001) bisher drei Romane. Ihr Debüt »Juja« (2010) geht der Frage nach, wie das Buch einer Selbstmörderin im Frankreich der siebziger Jahre eine Reihe junger Frauen dazu brachte, ebenfalls Suizid zu begehen, und stößt dabei auf weitere Fragen der Autorschaft und der Authentizität von Literatur. Eine Kritik in der »Frankfurter Rundschau« hob den direkten Draht hervor, den die Autorin zur Sprache habe, was angesichts ihrer Herkunft vom Theater wenig verwunderlich sei, und beschrieb den Roman als »intensive Melange aus kriminalistischen, autobiografischen und mythologischen Elementen«. Nachdem »Juja« 2011 den Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck erhalten hatte, wurde Haratischwilis zweiter Roman »Mein sanfter Zwilling« (2011) im selben Jahr mit dem Preis der Hotlist der unabhängigen Verlage ausgezeichnet. Für ihren jüngsten Roman »Das achte Leben (Für Brilka)« (2014) erhielt die Autorin ein Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung für Recherchen in Russland und Georgien. Im letztgenannten Land beginnt zur vorletzten Jahrhundertwende mit der Geburt Stasias, Tochter eines Schokoladenfabrikanten, ein großes Familienepos, das sich über 1300 Seiten und sechs Generationen erstreckt und dabei zeigt, wie die Wirren der Geschichte Menschenleben prägen. Die Erzählung wird dabei durch eine gelungene Figurenzeichnung, eine souveräne Dramaturgie und dunkle Pointen in Spannung gehalten.

Haratischwili, die 2015 mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft geehrt wurde, lebt als freie Autorin und Regisseurin in Hamburg.

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