10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Nicoleta Esinencu  [ Moldau ]

Biographie

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© privat

Gast des ilb 2010, 2012.

Bibliographie

Fuck you, Eu.ro.Pa!
Monolog
Akademie Schloss Solitude
Stuttgart, 2005
[Ü: Helga Kopp]

A(II)Rh+
Walther König
Köln, 2007
[Ü: Georg Aescht]

Odessa Transfer
Nachrichten vom Schwarzen Meer
[Hrsg. Katharina Raabe u. Monika Sznajderman]
Suhrkamp
Frankfurt a. M., 2009
[Ü: Eva Ruth Wemme]

Das rumänische Theater nach 1989
Seine Beziehungen zum deutschsprachigen Raum
[Hrsg. Alina Mazilu, Medana Weident u. Irina Wolf]
Frank & Timme
Berlin, 2010

Nicoleta Esinencu wurde 1978 in der moldauischen Hauptstadt Chişinău geboren und wuchs dort auf. An der staatlichen Universität der Künste studierte sie Theaterwissenschaft. Gemeinsam mit den renommierten Autoren Mihai Fusu und Dumitru Crudu schrieb sie 2001 das Theaterstück »A şaptea cafanã« (Ü: Das siebte Kaffeehaus), das in Moldau, Rumänien und auf verschiedenen europäischen Festivals erfolgreich zur Aufführung kam. Seit 2002 arbeitet sie als Dramaturgin am Eugen-Ionescu-Theater in Chişinău.

Auf einen Schlag wurde sie international mit dem dramatischen Monolog »Fuck you, Eu.ro.Pa!« (2005) bekannt, den sie bei einem Stipendienaufenthalt auf Schloss Solitude in Stuttgart verfasste. In dem Stück versucht eine junge Frau ihrem Vater zu erklären, warum sie nicht an einem Essaywettbewerb über ihr Vaterland, die Republik Moldau, teilnehmen möchte. Gebetsmühlenartig wiederholt sie immer wieder: »Papa, ich muss dir was sagen ...«, und rechnet nach und nach mit ihrem Land, seiner jüngeren Geschichte, mit Europa und der Situation in der postsowjetischen Welt ab. Einerseits fühlt sie sich verraten und abgestoßen von einer Zukunft des neoliberalen Profithungers, der aus Europa in die ehemalige Sowjetrepublik herüberschwappt. Andererseits sieht sie sich zugleich ihrer Vergangenheit beraubt, ihrer Kindheit in der Sowjetunion, die Teil eines Lügengebäudes war. Emotional kommen in dem Text in Aussagen und kleinen Anekdoten Verdruss und Enttäuschung hoch, jedoch nicht ohne Humor. Zugleich kann er auch als Liebeserklärung an das kleine Land im europäischen Abseits zwischen Rumänien und der Ukraine verstanden werden. Esinencu betonte dementsprechend in einem Interview: »Alles, was ich schreibe, schreibe ich für die Republik Moldau.« Das Werk, das an Monolog-Dramen Elfriede Jelineks erinnert, wenn auch mit einer aggressiveren Diktion, wurde u.~a. in Chişinău, Bukarest, Nancy und Moskau gespielt. Nach heftigen Debatten im Heimatland der Autorin wurde es dort verboten, darf aber mittlerweile – allerdings nur unter anderem Namen – wieder aufgeführt werden. Auch die seither erschienenen Texte der Dramatikerin zeichnen sich durch einen aggressiv-kraftvollen Tonfall und die Kritik an der postkommunistischen Gesellschaft aus. Dabei stehen immer wieder soziale und politische Themen im Vordergrund. So befasst sich das Werk »A(II)RH+« (2007) mit Nationalismus und Kindesmissbrauch, in dem Zwei-Personen-Stück »Zuckerfrei« (Uraufführung Dresden 2008) thematisiert sie den allgegenwärtigen Konsumterror. Für die Anthologie »Odessa Transfer«, einem Band mit Essays, literarischen Reportagen und Erzählungen aus der Schwarzmeerregion, entwirft sie in ihrem Beitrag »Von Chişinău zum siebten Kilometer« einen poetischen, ironischen und zugleich nüchternen Blick auf ihr Land in den letzten zwanzig Jahren.

Die Autorin wurde mit dem rumänischen Theaterpreis Dramacum ausgezeichnet. Sie lebt in Chişinău.

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