10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Mimoza Ahmeti  [ Albanien ]

Biographie

fok.Ahmeti.portrait.JPG
© Sascha Manowic

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Arkitrau
Marin Barleti
Tirana, 1993

Delirium
Marin Barleti
Tirana, 1994

Pjalmimi i luleve
Ora
Tirana, 2002

Milchkuss
Otto Müller
Salzburg, 2009
[Ü: Andrea Grill]

Die Autorin, Sängerin und Malerin Mimoza Ahmeti wurde 1963 im nordalbanischen Kruja geboren. Sie studierte zunächst albanische Sprache und Literatur, später szenisches Schreiben an der Akademie der Künste in Tirana und schloss einen MBA in Information Systems am Institut Universitaire Kurt Bösch in Sion, Schweiz, ab. 1990 wurde sie Mitglied des albanischen Schriftstellerverbandes. Seit 1994 ist sie freischaffende Autorin und leitet den Verlag Marin Barleti. Auch promoviert sie derzeit an der Sigmund Freud Privat Universität in Wien.

Ihre Gedichte betonen den Vorrang der seelischen Befreiung des Menschen vor der politischen: »Die materialistische Ideologie hat die Menschen gleichgeschaltet. Sie wurden von der Politik instrumentalisiert. Jede Individualität, die unendlich vielen Facetten, die den Menschen ausmachen – alles wurde abgetötet.« Ahmetis Lyrik zeichnet sich durch die metaphysische Wahrnehmung und Gestaltung der Realität aus, nicht die Ratio, sondern das Gefühl als Mittel zur Wahrhaftigkeit ist immer wieder Motiv. Unerfüllte Sehnsucht, Schmerz und Einsamkeit werden nicht als negativ, sondern als dazugehörig, als Antrieb für die Entwicklung einer echten Individualität verstanden – als Modus Vivendi. Dabei entsteht ein ganz eigener Sprachkosmos, der durch metaphorische Assoziationen eine neue Ordnung der Dinge ermöglicht. Ahmetis Poesie ist ein Appell an die absolute Individualität, fern von jeglicher Art eines genormten Denkens und Lebens. Dabei berührt sie immer wieder gesellschaftliche Tabus und Komplexe.

Dieses radikal-individuelle Denken und ihr selbstbewusstes, feministisches Auftreten wurden in der traditionellen, patriarchalischen Gesellschaft Albaniens oft angegriffen. Eine darauffolgende tiefe Krise verarbeitete sie in ihrem Roman »Gruaja haluçinante« (2006, dt. »Milchkuss«, 2009). Eine »halluzinierende Frau« (wie der Titel wörtlich übersetzt lautet) hat verschiedene Therapien ausprobiert, die wirkungslos geblieben sind. »Körper und Geist waren zwei Biester, die einander bis aufs Blut quälten. Um sie zu versöhnen, verausgabte sie sich bis zum Letzten.« Sie will das Leben voll auskosten und spüren, verliert sich dabei aber in zahlreichen Affären. Eindringlich und mit einer expressiven Sprache schildert Ahmeti die Verzweiflung der geheimnisvollen Frau, beschränkt sich dabei aber nicht auf ihre Psyche, sondern bezieht auch die Realität einer modernen patriarchalischen Gesellschaft ein.

Ahmeti veröffentlichte mehrere Gedichtbände, dazu Kurzprosa und einen weiteren Roman: »Arkitrau« (1993, Ü: Architrav). Ihre Bücher wurden ins Italienische, Französische, Englische und Deutsche übersetzt. Ahmeti lebt mit ihrer Familie in Tirana.

© internationales literaturfestival berlin

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