10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Martin Pollack  [ Österreich ]

Biographie

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© Lukas Beck, Paul Zsolnay Verlag

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Nach Galizien

Brandstätter

Wien, 1984

Anklage Vatermord

Zsolnay

Wien, 2002

Der Tote im Bunker

Zsolnay

Wien, 2004

Warum wurden die Stanislaws erschossen?

Zsolnay

Wien, 2008

Kaiser von Amerika

Die große Flucht aus Galizien

Zsolnay

Wien, 2010

Martin Pollack wurde 1944 im oberösterreichischen Bad Hall geboren. Nach seiner Ausbildung zum Bau- und Möbeltischler schlug er eine akademische Laufbahn ein und studierte Slawistik und osteuropäische Geschichte. Bereits während seines Studiums in Wien und Warschau arbeitete Pollack als Übersetzer und Reporter. Seine intensive Beschäftigung mit der geschichtlichen Entwicklung Osteuropas und seine diesbezügliche journalistische Tätigkeit bilden bis heute die Grundpfeiler seines Werks.

Einem größeren Lesepublikum zeigte sich Pollacks genaue Kenntnis des slawischen Raums erstmals in seinem fiktiven Reiseführer »Nach Galizien« (1984), in welchem er die heute verschwundenen Stätten dieser historischen Region beschreibt. Bereits hier verbinden sich dokumentarischer Anspruch und literarischer Stil zu einer Gesamtform, die sowohl für Pollacks Reportagen als auch für seine historischen Romane charakteristisch bleiben wird. Letztere haben vor allem die nationalsozialistische Vergangenheit seines Heimatlandes zum Thema. In »Anklage Vatermord« (2002) rekonstruiert der Autor den Schauprozess der Nazis gegen den Fotografen Philipp Halsmann, während er in »Der Tote im Bunker« (2004) die nationalsozialistische Lebensgeschichte des eigenen Vaters aufrollt. Neben dem literarischen Schreiben hat sich Pollack in den vergangenen Jahren vor allem als Herausgeber von Berichten, Erzählungen und Essays aus verschiedenen Regionen Osteuropas betätigt. Sein Buch »Warum wurden die Stanislaws erschossen?« (2008) vereint hingegen eine Auswahl eigener Reportagen aus den letzten 25 Jahren. Über die Zusammenstellung der Texte, die sich mit dem politischen Umwälzungsprozess in Osteuropa befassen, schreibt Pollack: »Wenn ich es unternehme, frühe Arbeiten neben neue, hier erstmals publizierte Texte zu stellen, dann in der Absicht, die Zeit des Übergangs, der Transformation ins Gedächtnis zu rufen: Einerseits ist sie bereits Geschichte, […] andererseits ist sie noch lange nicht abgeschlossen und wirkt weiter.«

Pollack, der sich durch die historische Aufarbeitung von Nationalsozialismus und Kommunismus sowie durch seine Übersetzertätigkeit für die Verständigung zwischen Polen und Österreich einsetzt, wurde für dieses Engagement bereits vielfach ausgezeichnet. 2003 erhielt der Autor das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen sowie den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzungen. 2007 wurde er mit dem Karl-Dedecius-Preis für polnische und deutsche Übersetzer und dem Toleranzpreis des österreichischen Buchhandels geehrt. Für sein Gesamtwerk erhielt Pollack außerdem 2010 den Georg-Dehio-Buchpreis. Er lebt in Wien und Stegersbach.

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