10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Louis-Philippe Dalembert  [ Haiti ]

Biographie

kal.Dalembert.portrait.JPG
© Daniel Mordzinski

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Rue du Faubourg Saint-Denis
Editions du Rocher
Paris, 2005

Les dieux voyagent la nuit
Editions du Rocher
Paris, 2006

Die Insel am Ende der Träume
Litradukt
Kehl, 2007
[Ü: Peter Trier]

Gottes Bleistift hat keinen Radiergummi
Litradukt
Kehl, 2008
[Ü: Peter Trier]

Jenseits der See
Litradukt
Kehl, 2008
[Ü: Peter Trier]

Louis-Philippe Dalembert wurde 1962 in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince geboren. Kurz nach seiner Geburt starb sein Vater. Von da an wuchs er in einem nur von Frauen bewohnten Haushalt auf. Als er sechs Jahre alt war, zog seine Familie aus einem Arbeiterviertel in eine wohlhabendere Gegend der Stadt. Er besuchte begeistert das nahe Freiluftkino und sah sich die Filme von außerhalb des Kinos an, da er sich den Eintritt nicht leisten konnte. Früh schon dachte er sich zu diesen Filmen Dialoge aus und schulte damit sein erzählerisches Talent. Nachdem er sich in Haiti erste berufliche Sporen als Journalist verdient hatte, ging er 1986 nach Paris, um Journalistik und Komparatistik zu studieren. Intensiv befasste er sich mit dem Magischen Realismus und schloss 1996 seine Promotion über den kubanischen Schriftsteller Alejo Carpentier ab.

Dalembert veröffentlichte seinen ersten Gedichtband 1982, 1993 ein erstes Buch mit Prosatexten. Wenig später folgte sein autobiografisch geprägtes Romandebüt »Le crayon du bon Dieu n’a pas de gomme« (1996; dt. »Gottes Bleistift hat keinen Radiergummi«, 2008), in dem der Protagonist nach 25 Jahren an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt: das Hafenviertel der Hauptstadt eines Karibikstaates. Der Zurückgekehrte füllt die Gassen mit seinen Erinnerungen, nicht ohne erkennen zu müssen, dass der Abschied als Kind von dort zugleich der endgültige Abschied von der Kindheit selbst war. Rückkehr und Abschied, das »Vagabundieren«, wie es der Autor gern nennt, sind immer wiederkehrende Themen in seinen Werken. Auch sein zweiter Roman, »L’autre face de la mer« (1998; dt. »Jenseits der See«, 2008), handelt davon. In poetischer Sprache erzählt er eine haitianische Familiensaga, in der es um die Motive Abschied, Exil und Flucht geht. Dalembert selbst besuchte auf ausgedehnten Reisen Länder in Afrika, Europa, Amerika und im Nahen Osten. Eindrücke seines eigenen »Vagabundierens« verarbeitete er literarisch, wobei er gern Verbindungen zwischen verschiedenen Regionen herstellt, die nicht eben auf der Hand liegen. So entwirft er in dem Abenteuerroman »L’île du bout des rêves« (2003; dt. »Die Insel am Ende der Träume«, 2007) die Geschichte eines Schatzsuchers, die zwischen Neapel, Kuba, Hispaniola und dem Piratenstützpunkt Tortuga spielt. Über den Handlungsbogen verbindet der Autor mit dem Mittelmeerraum und der Karibik zwei Gegenden, die für ihn »Orte der Begegnung par excellence« sind.

Dalembert gehört zu den populärsten Autoren Haitis. Er wurde mit diversen Auszeichnungen wie dem Prix RFO du Livre und dem Premio Casa de las Américas geehrt und lebt zurzeit als Gast des Berliner Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes in Berlin.

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