10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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László Krasznahorkai  [ Ungarn ]

Biographie

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© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2002, 2008, 2010, 2014.

Bibliographie

Satanstango

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 1990

[Ü: Hans Skirecki]

Melancholie des Widerstandes

Ammann

Zürich, 1992

[Ü: Hans Skirecki]

Krieg und Krieg

Ammann

Zürich, 1999

[Ü: Hans Skirecki]

Im Norden ein Berg, im Süden ein See,
im Westen Wege, im Osten ein Fluß

Ammann

Zürich, 2005

[Ü: Christina Viragh]

Seiobo auf Erden

S. Fischer

Frankfurt/Main, 2010

[Ü: Heike Flemming]

László Krasznahorkai wurde 1954 im ungarischen Gyula geboren. Er studierte Jura in Szeged, später Hungaristik in Budapest. Mit »Sátántangó« (1985; dt. »Satanstango«, 1990) legte er seinen Debütroman vor, der – nach seinem Drehbuch – 1994 von Béla Tarr verfilmt wurde. Aus der Zusammenarbeit zwischen Autor und Regisseur entstanden drei weitere Verfilmungen von Krasznahorkais Romanen sowie »A londoni férfi« (2007; dt. »Der Mann aus London«) nach einem Roman von Georges Simenon.

Krasznahorkai entwirft in seinen Werken eine Welt, in der die klassischen Helden ausgespielt haben. Es ist die Atmosphäre, die die Rolle der Protagonisten übernimmt. Letztere handeln wie Marionetten, deren Schnüre irgendwo im Dunkeln zusammenlaufen. Es sind tiefgründige Einzelgänger und nie zum Stillstand kommende Reißausnehmer. Kafka scheint nicht nur für jenen Menschentypus Pate gestanden zu haben, sondern auch für die stilistische Konsequenz und albtraumhafte Geschlossenheit der Romane. Als den »großen Lichtausmacher am Ende des Jahrtausends« bezeichnete die »Süddeutsche Zeitung« Krasznahorkai nach der Veröffentlichung seines Romans »Háború és háború« (1999; dt. »Krieg und Krieg«, 1999). Darin entwirft der Autor ein Szenario, das so melancholisch wie kritisch ist, wenn es als Antwort auf die angebrochene neue Zeit gelesen wird: An der Schwelle zum neuen Jahrtausend unternimmt der Oberarchivaranwärter Korin eine Reise aus der heimatlichen Provinzstadt nach New York, um dort, im »Zentrum des Lebens«, zu sterben. Dabei streift er auf vielen Stationen die Vergangenheit des Abendlandes, von Kreta und Rom bis hin zu den Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen. Überall findet er neue Strophen für seinen Abgesang und nur der Gedanke an ein in seinen Mantel eingenähtes Manuskript lässt ihn hoffen, dass die Reise einen Sinn hat. Krasznahorkais letzter Roman, »Eszakról hegy, Délről tó, Nyugatról utak, Keletről folyó« (2003; dt. »Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluß«, 2005) spielt in Japan. Hier verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Transzendenz, um den Leser zusammen mit dem Enkel des Prinzen Genji – einer historischen Romanfigur – zum »schönsten Garten« zu führen, einem Zwischenreich der Meditation und Literatur. Der zuletzt von ihm erschienene Erzählband »Seiobos auf Erden« (2010), der im Titel auf eine japanische Göttin anspielt, begibt sich auf die Suche nach Vollkommenheit und Schönheit.

Krasznahorkai wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, dem Jószef-Attila-, dem Tibor-Déry-, dem Preis des SWR, dem Kossuth-, dem Sándor-Márai- und 2010 dem »Brücke Berlin«- und dem Spycher-Preis. Der Autor lebt in Berlin und in der Nähe von Budapest.

[http://www.krasznahorkai.hu]

 László Krasznahorkai
© Ali Ghandtschi

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