10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Karlijn Stoffels  [ Niederlande ]

Biographie

kjl.stoffels.portrait.JPG
© Chris van Houts

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Mojsche und Rejsele

Beltz & Gelberg

Weinheim, 1998

[Ü: Mirjam Pressler]

Marokko am See

Beltz & Gelberg

Weinheim, 2006

[Ü: Mirjam Pressler]

Koningsdochter, zeemanslief

Querido

Amsterdam, 2005

1:0 für die Idioten

Beltz & Gelberg

Weinheim, 2009

[Ü: Rolf Erdorf]

De ontvoerde prins

Querido

Amsterdam, 2009

Karlijn Stoffels, geboren 1947 in Amsterdam, verfasste nach ihrem Studium der Romanistik und Niederlandistik an der Universität Leiden sowohl Texte für Jugendliche als auch Erwachsene, u. a. zu Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, sowie Hörspiele und Theaterstücke. Zwischenzeitlich war sie überdies als Französischlehrerin und Übersetzerin tätig.

In ihrem Jugendbuchdebüt »Mosje en Reizele« (1996; dt. »Mojsche und Rejsele«, 1998) verknüpft sie erzählerisch historisch belegbare Fakten zum jüdischen Ghetto in Warschau um 1939 und dem Waisenhaus des Pädagogen Dr. Korczak mit der Lebensgeschichte zweier fiktionaler Kinderfiguren. Bereits dieses erste Jugendbuch spiegelt die zentralen Themenschwerpunkte wider, die ihr nachfolgendes Gesamtwerk nachhaltig bestimmen. Einen Fokus legt sie dabei auf Themen wie soziale Isolation, auf die Erfahrungen von Außenseitern mit Verfolgung, Misshandlung und Ausgrenzung oder auf das Andersseins nach den Kriterien der Gesellschaft. In ihren Jugendbüchern diskutiert Karlijn Stoffels diese Themenaspekte mit kritischen Untertönen, u. a. in der Erzählung »Marokko aan de plas« (2002; dt. »Marokko am See«, 2006) um den zwölfjährigen Issa, der in Amsterdam zwischen den Sprachen und der eigenen Sprachlosigkeit, den Kulturen und ihren unterschiedlichen Wertvorstellungen sowie Diskriminierung auf beiden Seiten aufwächst. Dabei offenbart er einen außergewöhnlich analytischen Blick auf die Möglichkeiten und Grenzen einer individuellen, politischen sowie gesellschaftlichen Integration von Migranten und Migrantinnen. Auch in »Een-nul voor de autisten« (2003; dt. »1:0 für die Idioten«, 2009) erforscht die Autorin die Suche einer Jugendlichen nach adäquaten Ausdrucksformen und einer selbstbestimmten Zukunftsperspektive, in diesem Fall mit Zwischenstation in einer Jugendpsychiatrie. »Ich entschied mich dafür, die Geschichte aus der Perspektive von Lucy zu erzählen, die nach Monaten bzw. Jahren zurückblickt und sich ihrer Gedanken und Gefühle erinnert. Die sich entsinnt, was ihr damals passiert ist, wie ihre Probleme aussahen und was sie verursacht hat«, erklärt die Autorin die Wahl der Erzählperspektive auf ihrer Homepage. Über die Darstellung des individuellen Schicksals ihrer Protagonistin hinaus gelingt es ihr, grundlegende Fragen und Aspekte der sozialen sowie emotionalen Verunsicherung von Jugendlichen in der Pubertät zu diskutieren.

Karlijn Stoffels’ Jugendbücher erhielten zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen, u. a. wurde »Mojse en Reizele« 1999 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Sie lebt heute in Amsterdam.

[http://www.karlijnstoffels.com]

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