10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Juri Andruchowytsch  [ Ukraine ]

Biographie

Juri Andruchowytsch Portrait
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Das letzte Territorium

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2003

[Ü: Alois Woldan]

Mittelöstliches Memento

in: Mein Europa: Zwei Essays über das sogenannte Mitteleuropa

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2004

[Ü: Sofia Onufriv]

Zwölf Ringe

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2005

[Ü: Sabine Stöhr]

Moscoviada

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2006

[Ü: Sabine Stöhr]

Engel und Dämonen der Peripherie: Essays.

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2007

[Ü: Sabine Stöhr]

Geheimnis: Sieben Tage mit Egon Alt

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2008

[Ü: Sabine Stöhr]

Perversion

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2011

[Ü: Sabine Stöhr]

Euromaidan

Was in der Ukraine auf dem Spiel steht

[Als Herausgeber]

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2011

Juri Andruchowytsch wurde 1960 in Iwano-Frankiwsk, Ukraine, geboren. Nach einem Journalistik-Studium in Lwiw und dem Militärdienst begann seine literarische Karriere mit einem Paukenschlag: Gemeinsam mit Viktor Neborak und Oleksandr Irwanets begründete er 1985 die Performancegruppe Bu-Ba-Bu (Burlesk-Balagan-Buffonada), die insbesondere von 1988 bis 1992 nachhaltigen Einfluss auf die ukrainische Literaturszene nahm. Ihre Kritik am realen Sozialismus äußerten die Künstler performativ in satirischen, lautpoetischen und karnevalesken Gedicht-Experimenten.Nach der Veröffentlichung erster Gedichtbände übertrug Andruchowytsch die Vorliebe für das Vielschichtige und Grotesk-Karnevaleske in seine Romane »Rekreatsiji« (1992, Ü: Rekreation), »Moscoviada« (1993; dt. 2006) und »Perverzija« (1996, dt. »Perversion«, 2011), die ihn zum am kontroversesten diskutierten Autor der ukrainischen Gegenwartsliteratur machten. Die surreale Satire »Rekreatsiji« thematisiert die gesellschaftliche und politische Situation der Ukraine unmittelbar vor der Unabhängigkeit. »Moscoviada« ist ein Abgesang auf die Sowjetunion und basiert auf Beobachtungen von 1989 bis 1991 in Moskau. »Perverzija«, eine postmoderne Variante von »Der Tod in Venedig«, zeichnet sich durch eine komplexe Struktur, eine Fülle von Motiven, Handlungssträngen, narrativen Elementen und eine barocke Lust an Sprachspielereien aus. Beweggrund für Andruchowytschs literarischen Aktivismus ist die besondere Situation seines Heimatlandes. Mit dem Beitritt Polens an die Außengrenze der EU gerückt, war die Ukraine in Westeuropa und den USA noch immer eine Terra incognita. Diese damalige (Nicht-)Verortung der Ukraine in Europa reflektierte er in »Das letzte Territorium« (2003), einer Essaysammlung in Form einer »fiktiven Landeskunde«. Während der Orangenen Revolution in seiner Heimat beteiligte sich Andruchowytsch an den Demonstrationen der Opposition. Sein erster ins Deutsche übersetzte Roman, »Dvanadcjat’ obrutschiv« (2003; dt. »Zwölf Ringe«, 2005), zeigt das Chaos der postsozialistischen Übergangszeit und die Geburtswehen eines neuen Staates als bunten Reigen huzulischer Folklore, mafiöser Geschäftsleute, Künstler, skurriler Typen aus der Werbebranche und wechselnder Liebesbeziehungen. Zuletzt gab er auf Deutsch das Buch »Euromaidan: Was in der Ukraine auf dem Spiel steht« (2014) heraus, in dem sich Autoren und Wissenschaftler an einer Anatomie der Revolution versuchen.Andruchowytsch wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Sonderpreis des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises 2005 und dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Völkerverständigung 2006. Acht Jahre später (2014) erhielt er zusammen mit Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa den Hannah-Arendt-Preis. Der Autor lebt in Iwano-Frankiwsk.

© internationales literaturfestival berlin

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