10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2010 / Julia Kissina

Julia Kissina  [ Russland, Deutschland ]

Biographie

Gast des ilb 2010, 2016.

Bibliographie

Vergiss Tarantino

Aufbau

Berlin, 2005

[Ü: Ganna-Maria Braungardt]

Milin und der Zauberstift

Bloomsbury

Berlin, 2005

[Ü: Ganna-Maria Braungardt]

Dead Artists Society

Verlag für moderne Kunst

Nürnberg, 2010

Frühling auf dem Mond

Suhrkamp

Berlin, 2013

[Ü: Valerie Engler]

Elephantinas Moskauer Jahre

Suhrkamp

Berlin, 2016

[Ü: Olga Kouchvinnikova/Ingolf Hoppmann]

Julia Kissina wurde 1966 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew geboren, lebte in Moskau und studierte an der dortigen Filmhochschule im Fachbereich Drehbuch. 1990 zog sie nach Deutschland, wo sie an der Akademie der Bildenden Künste in München studierte.

Kissina gehört zum Kreis des Moskauer Konzeptualismus und zählt zu den beliebtesten Autorinnen der russischen Avantgarde-Literatur. In den 1980er und 1990er Jahren publizierte sie regelmäßig in zwei bedeutenden intellektuellen Zeitschriften, »Obscuri viri« in Moskau und »Mitin Journal« in Petersburg. Ihr Buchdebüt »Des Täubchens Flug über den Schlamm der Phobie« (1992) wurde trotz einer kleinen Auflage zu einem Kultbuch in der alternativen Samisdat-Bewegung. Kissinas Lyrik und Prosa erschien in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien, u.~a. in der am meisten übersetzten Anthologie »Russische Blumen des Bösen« (1997). Ihr erster Erzählband auf Deutsch wurde im Jahr 2005 unter dem Titel »Vergiss Tarantino« publiziert. Im selben Jahr erschien Kissinas Kinderbuch »Milin und der Zauberstift«. Ihr Stil ist von skurrilem Humor und präzisen Beobachtungen geprägt. Ein essenzielles Thema ihres Schaffens ist das »Unbehagen in der Kultur«. Trotz ihrer intertextuellen Experimente mit Wort und Sujet bleibt sie eine exzellente Erzählerin. Ihr »autofiktionaler« Roman »Frühling auf dem Mond« (2013) erzählt von ihrer Kindheit im Kiew der 1970er Jahre, wo sich die tragischen Ereignisse zwischen surrealer Wahrnehmung und bürokratischer Willkür entfalten. Autobiografisch gefärbt ist auch der 2016 erscheinende Roman »Elephantinas Moskauer Jahre«, in dem die Titelfigur~– aus Sehnsucht nach wahrer Poesie~– in die Weltstadt Moskau zieht, um dort die Tiefen des künstlerischen Untergrunds auszuloten.

Julia Kissina wurde auch als Künstlerin bekannt. In den 1990er Jahren widmete sie sich der Konzeptuellen Fotografie und der Performance: Sie führte u.~a. eine Schafherde durch das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, 2003 organsierte eine Aktion in einem Berliner Gefängnis und cokuratierte das Festival Art & Crime im Hebbel Theater in Berlin. 2006 gründete Kissina die The Dead Artists Society, die in spiritistischen Sitzungen »Dialoge mit Klassikern« wie Duchamp und Malewitsch führte. Julia Kissina lebt in Berlin und in New York.

[http://www.juliakissina.de/]

abgelegt unter: ,