10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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† José Saramago  [ Portugal ]

Biographie

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© Pedro Soares

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Hoffnung im Alentejo

Aufbau

Berlin, 1985

[Ü: Rosi und Rainer Bettermann]

Das Memorial

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 1986

[Ü: Andreas Klotsch]

Das Evangelium nach Jesus Christus

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 1993

[Ü: Andreas Klotsch]

Die Stadt der Blinden

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 1997

[Ü: Ray-Güde Mertin]

Die Reise des Elefanten

Hoffmann und Campe

Hamburg, 2010

[Ü: Marianne Gareis]

José Saramago wurde 1922 in dem kleinen Dorf Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo als Sohn eines landlosen Kleinbauern geboren. Zwei Jahre später zog die Familie nach Lissabon. Da seine Eltern ihm den Besuch eines Gymnasiums nicht finanzieren konnten, wurde er an einer technischen Fachschule zum Maschinenschlosser ausgebildet. Die meiste Zeit verbrachte Saramago jedoch in Bibliotheken. Ohne Abitur und Studium, aber begeistert von der Literatur, die er sich als Autodidakt selbst erschlossen hatte, arbeitete er viele Jahre für diverse Verlage und Zeitungen.

Mit über fünfzig Jahren beschloss Saramago, sich ganz der Literatur zu widmen. In Portugal wurde er mit dem Roman »Levantado do Chão« (1980; dt. »Hoffnung im Alentejo«, 1985), einer Familien- und Revolutionschronik über das entbehrungsreiche Leben portugiesischer Landarbeiter, schlagartig bekannt. Zwei Jahre später gelang ihm der internationale Durchbruch mit seinem facettenreichen Meisterwerk »Memorial do Convento« (1982; »Das Memorial«, 1986). Vor dem Hintergrund eines monumentalen Klosterbaus im Portugal des 18. Jahrhunderts, bei dem zahlreiche der Zehntausenden Fronarbeiter ums Leben kamen, entspinnt sich die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten Baltasar und Blimunda. Die Romane von Saramago, in denen der bekennende Kommunist und Atheist immer wieder gegen Repressionen jeglicher Art anschreibt und leidenschaftlich für die einfachen Leute Partei ergreift, zeichnen sich durch eine bilderreiche und oft barock anmutende Sprache aus, die häufig durch Ironie oder Sarkasmus gebrochen wird. Kunstvoll kombinieren die Vorstellungswelten des Autors verbürgte Historie mit mythenhafter und auch surrealistischer Fiktion. Als sein Roman »O Evangelho Segundo Jesus Cristo« (1991; dt. »Das Evangelium nach Jesus Christus«, 1993) aufgrund von Blasphemie-Vorwürfen von der Vorschlagsliste Portugals für den Europäischen Literaturpreis gestrichen wird, siedelt er nach Lanzarote über. Eines seiner berühmtesten Werke ist die Endzeitparabel »Ensaio Sobre a Cegueira« (1995; dt. »Die Stadt der Blinden«, 1997), die 2008 von dem Regisseur Fernando Meirelles verfilmt wurde. Der eindringlich erzählte Roman über eine Gesellschaft, die erblindet und im Kampf um das Überleben alles Humane zu verlieren scheint, stellt schonungslos die Frage nach den Grundlagen menschlichen Zusammenlebens. »Ich schreibe, um zu beunruhigen«, so der Autor, der in seinem Internetblog bis zuletzt u.~a. die Missstände des globalisierten Kapitalismus scharf kritisierte.

Saramago wurde mit zahlreichen portugiesischen und internationalen Literaturpreisen geehrt. 1998 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Er starb am 18. Juni 2010.

[http://cuaderno.josesaramago.org]

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