10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2010 / José F. A. Oliver

José F. A. Oliver  [ Deutschland ]

Biographie

kal.Oliver.portrait.jpg
© Uwe Dettmar Suhrkamp Verlag

Gast des ilb 2009, 2010.

Bibliographie

Auf-Bruch

Das Arabische Buch

Berlin, 1987

Austernfischer Marinero Vogelfrau

Das Arabische Buch

Berlin, 1997

unterschlupf

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2006

Mein andalusisches Schwarzwalddorf

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2007

fahrtenschreiber

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2010

José F. A. Oliver, Schriftsteller und Lyriker, wurde als Kind andalusischer Gastarbeiter 1961 in Hausach im Kinzigtal geboren. Er studierte Romanistik, Germanistik und Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 1987 veröffentlichte er seine erste Lyriksammlung unter dem Titel »Auf-Bruch«. Zur selben Zeit kehrte er wieder nach Hausach zurück, das er, von zahlreichen Auslandsaufenthalten abgesehen, nicht mehr verlassen hat.

Das Aufeinandertreffen seiner spanischen Herkunft mit der Schwarzwälder Wahlheimat hat Oliver, der sich selbst mehr als »Schwarzwälder Andalusier« denn als »Spanischer Hausacher« sieht, in seinem Stil maßgeblich geprägt. Insbesondere seine seltene Vertrautheit mit der Musikalität der Sprache der Eltern und zugleich dem alemannischen Dialekt des Kinzigtals spiegelt sich in seinem innovativen und unkonventionellen Umgang mit der deutsche Sprache wider. Zu erkennen ist dabei das Bedürfnis, semantische und räumliche Grenzzonen zu erforschen, Wörter ihrer gewöhnlichen Verwendung zu entreißen, um ihnen eine neue, sentimental-instinktive Bedeutung zuzuordnen − ein Wunsch, der in der Oliver’schen Schreibung »w:orte« zum Ausdruck kommt. Diese Suche nach einer intimen, innovativen und zugleich antiken Sprache, die Olivers Stil kennzeichnet, scheint der Sehnsucht nach Identität zu entspringen, die eine doppelte kulturelle Prägung oft mit sich bringt. Er wurde bereits als »Interpret zweier Welten« (»El Mercurio«) gewürdigt oder als »ein Dichter, im Spannungsfeld zwischen Deutschland und Spanien« (»La Jornada«). Sein Schriftstellerkollege Ilija Trojanow bezeichnete ihn in einer Einführung zur Premiere des Essaybands »Mein andalusisches Schwarzwalddorf« (2007) als »nomadischen Heimatdichter«, der genau wisse, »wie erfassbar uns die ganze Welt und wie unverständlich uns das benachbarte Tal scheinen kann«. Oliver begleitet seine Lesungen gern mit Gitarre oder Gesang, die Kunst des Cante Jondo ist ihm nicht fremd. »Hier, wo Bedeutung, Musik und Bild in einer Form zusammenkommen, die in der Stimme, im Körper der Stimme, verankert ist, verspricht das Gedicht Überwindung und Dauer«, so ein Fazit von Joachim Sartorius. Zuletzt erschien von Oliver der Gedichtband »fahrtenschreiber« (2010).

José F. A. Oliver hat in seinem Heimat- und Wohnort Hausach ein Literaturfestival gegründet, den Hausacher LeseLenz, der in diesem Jahr bereits zum 13. Mal stattfand. 1996 wurde er mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet, 2007 mit dem Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg, 2009 mit dem Thaddäus-Troll-Preis.

abgelegt unter: