10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Ivaila Alexandrova  [ Bulgarien ]

Biographie

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© privat

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Goreshto cherveno
Zhanet 45
Sofia, 2007

Ivayla Alexandrova wurde 1951 in der bulgarischen Hauptstadt Sofia geboren. Sie studierte Journalismus und arbeitete von 1977 bis 2010 beim staatlichen Radiosender Christo Botew. Dort wirkte sie in der Kulturredaktion und befasste sich mit dem Genre Film. Parallel schrieb sie Artikel für verschiedene Zeitungen, verfasste Hörspiele und Drehbücher.

Mit ihrem Romandebüt »Goreshto cherveno« (2007; Ü: Heißes Rot) schaffte Alexandrova den Durchbruch als Schriftstellerin. Es handelt es sich um einen dokumentarischen Roman, der auf Gesprächen, Interviews und Recherchen in Zeitungen und Archiven beruht. Im Fokus steht die bulgarische Intelligenzija in der Zeit um den 9. September 1944, als die Rote Armee das Land erobert. Exemplarisch werden Vorgeschichte und Folgen jener Zeitenwende am Schicksal des Malers und Zeitungsmachers Raiko Alexijew und seiner Familie dargestellt. Bis dahin als Künstler und Publizist angesehen, wird Alexijew kurz nach Einmarsch der russischen Truppen inhaftiert, gefoltert und im November ermordet. Trotzdem wird er am 12. März 1945 in den damaligen Schauprozessen angeklagt und postum zum Tode verurteilt. Hauptquelle der Erzählung sind Gespräche mit seiner Witwe, die der Ich-Erzählerin des Romans aus ihrem Leben berichtet: über die Bekanntschaft mit Alexijew, seine Ermordung und die Demütigungen danach. Wenn »man in der Not ist, verschwinden die Freunde wie Rauch«, heißt es an einer Stelle des Buches. Doch auch von zwei weiteren Ehen, einer geglückten Emigration nach Deutschland und schließlich der Rückkehr nach Bulgarien als Galeristin weiß die Witwe des Künstlers zu erzählen. Die Passagen des Berichts der Witwe werden collageartig ergänzt durch weitere Gespräche − unter anderem mit einem Psychoanalytiker, mit Kindern von Opfern und Tätern −, ebenso wie durch Zeitdokumente, Bilder und Faksimiles. In Form einer literarischen Montage leuchtet die Autorin einen düsteren Abschnitt der bulgarischen Geschichte aus und erschafft »ein Zeitdokument der beginnenden Erinnerungsarbeit und Aufarbeitung der nahen Vergangenheit« (Penka Angelova).

Ivayla Alexandrova wurde für den Roman mit dem Großen Nationalliteraturpreis Christo G. Danov, mit dem Spezialpreis für Dokumentarprosa Helikon sowie dem Elias-Canetti-Literaturpreis 2009 geehrt. Die Autorin lebt in Sofia.

© internationales literaturfestival berlin

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