10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Igiaba Scego  [ Italien ]

Biographie

Portrait Igiaba Scego
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

La nomade che amava Alfred Hitchcock

Sinnos

Rom, 2003

Rhoda

Sinnos

Rom, 2004

Oltre Babilonia

Donzelli

Rom, 2008

Igiaba Scego wurde 1974 in Rom geboren. Ihre Eltern kamen nach dem Staatsstreich Siad Barres aus Somalia nach Italien. Im Rom der 1980er Jahre erlebte die Familie nicht selten Diskriminierungen. Scegos Vater war in Somalia ein bekannter Politiker, u. a. Botschafter und Außenminister. Mit dem Putsch verloren die Eltern Besitz, Stellung und Bindungen. So wuchs Igiaba Scego zwischen einer mythischen Vergangenheit (in der die Familie Scego bedeutend und hoch angesehen war) und der entbehrungsreichen Gegenwart auf. Ihre Eltern vermittelten ihr die Lust am Erzählen. Sie verschlang Bücher und sagt selbst, die Literatur habe ihr das Leben gerettet: »Für mich als Tochter von Exilanten, die sich in einem Meer der Ungewissheit befand, war das Lesen ein Rettungsanker. In Büchern habe ich meine Geschichte, mich selbst und vor allem Afrika gefunden.« Nach der Schule studierte sie Literatur und Pädagogik und begann erste eigene Texte zu veröffentlichen.

Ihre Erzählung »Salsiccia« (Ü: Wurst) wurde 2003 mit dem Premio Exs&tra ausgezeichnet. Im selben Jahr folgte das Kinderbuch »La nomade che amava Alfred Hitchcock« (Ü: Die Nomadin, die Alfred Hitchcock liebte). 2004 erschien ihr zweiter Roman »Rhoda«. Eines der grundlegenden Themen der meist autobiografisch geprägten Werke Igiaba Scegos ist ihre doppelte Identität als Somalierin und Italienerin − ein relativ neues Thema in Italien, das erst seit Kurzem Einwanderungsland ist. Das Schreiben über dieses Thema hat für sie auch eine politische Bedeutung. In Italien besitzen die Kinder von Einwanderern keine Garantie, die italienische Staatsbürgerschaft zu bekommen, was sie zu Fremden im eigenen Land macht, oder, wie Igiaba Scego es zugespitzt formuliert, zu Italienern mit einer Aufenthaltserlaubnis. Ihre Werke beschäftigen sich darüber hinaus mit dem italienischen Kolonialismus, der Frauenbewegung und dem seit 19 Jahren währenden Bürgerkrieg in Somalia, der in fast allen Texten Scegos zur Sprache kommt. 2008 erschien ihr jüngster Roman »Oltre Babilonia« (Ü: Jenseits von Babylon), in dem sie wiederum die Geschichte zweier Menschen mit heterogenen Identitäten erzählt. Eine römische Buchhändlerin mit somalischen Wurzeln und ein Argentinier, ebenfalls somalischer Herkunft, treffen sich in Tunis, wohin beide aufgebrochen sind, um Arabisch zu lernen.

Igiaba Scego schreibt auch für Zeitungen und Zeitschriften wie »L’Unità« und »Internazionale« und ist Herausgeberin mehrerer Anthologien. Die Autorin lebt in Rom und arbeitet dort an einem neuen Roman.

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