10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Hassan Blasim  [ Irak, Finnland ]

Biographie

Portrait Blasim
© Katja Bohm

Gast des ilb 2010, 2016.

Bibliographie

The Iraqi Christ

Comma Press

Manchester, 2013

[Ü: Jonathan Wright]

The Corpse Exhibition And Other Stories of Iraq

Penguin Books

New York, 2014

[Ü: Jonathan Wright]

Der Verrückte vom Freiheitsplatz und andere Geschichten über den Irak

Kunstmann

München, 2015

[Ü: Hartmut Fähndrich]

Hassan Blasim wurde 1973 in Bagdad, Irak, geboren. Seine Kindheit verbrachte er zum größten Teil in Kirkuk. Zum Studium an der Filmhochschule kehrte er in die irakische Hauptstadt zurück. Für zwei dort gedrehte Kurzfilme erhielt Blasim Preise. 1998 zog er in den kurdischen Teil des Iraks, wo er weiter Filme drehte, darunter den Spielfilm »The Wounded Camera« (Ü: Die verwundete Kamera), der ein brisantes Thema aufgreift~– die Zwangsumsiedlung von Kurden durch Saddam Hussein nach einem Aufstand gegen den Diktator. Aus Angst um seine Familie veröffentlichte er die Arbeit unter dem Pseudonym Ouzad Osman. Im Jahr 2000 verließ Blasim den Irak und machte sich auf in Richtung Europa. Größtenteils zu Fuß durchquerte er den Iran, um als illegaler Einwanderer in Istanbul zu arbeiten und das Geld für den Schlepper Richtung Westen zu sparen. Beim vierten Versuch schaffte es Blasim nach Bulgarien. Auch hier arbeitete er, um seine weitere Flucht zu finanzieren. Über Serbien und Ungarn gelangte er 2004, vier Jahre nach dem Verlassen seiner Heimat, nach Finnland, wo er Asyl erhielt.

Für das finnische Fernsehen drehte er zahlreiche Kurzfilme und Dokumentationen. Er rief die Website www.iraqstory.com ins Leben, auf der auch erste Texte von ihm zu lesen waren. 2009 erschien seine erste Kurzgeschichtensammlung »The Madman of Freedom Square« (dt. »Der Verrückte vom Freiheitsplatz«, 2015). Für den Band, der international für Furore sorgte und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, erhielt Blasim den Foreign Fiction Prize sowie den PEN Writers in Translation Award. Den Schrecken, das Leid und die Gefahr des Krieges, des Terrors, der Vertreibung und der Flucht, die Blasims Prosa beherrschen, bricht und verstärkt der Autor gleichzeitig durch Skurrilität, Surrealismus, Sarkasmus und Groteske. Viele Rezensenten ziehen Vergleiche mit Autoren wie Gogol, Kafka, Borges, García Márquez oder Poe. »Wenn Kafka Drehbücher für Splatter-Movies geschrieben hätte, würden sie so klingen wie diese phantastischen und brutalen Geschichten über Krieg, Tod und Flucht im Irak«, mutmaßt etwa Maxim Biller in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«. Erst 2012 erschien die zensierte arabische Originalversion, »Majnūn sāḥat ʾal-ḥurriyya«, die etwa in Jordanien sogleich verboten wurde. »ʾal-masīḥ ʾal-ʿirāqī« (Ü: Der irakische Christus) aus dem Jahr 2013 ist Blasims zweite Veröffentlichung von Kurzgeschichten, für die er 2014 als erster arabischer Autor mit dem prestigeträchtigen Independent Foreign Fiction Prize ausgezeichnet wurde. Derzeit arbeitet Blasim an einer Anthologie von Science-Fiction-Erzählungen irakischer Autoren, die einen Blick auf den Irak des Jahres 2103, hundert Jahre nach dem vorerst letzten Krieg dort, werfen. Für den »Guardian« ist Blasim »der wohl beste zeitgenössische arabische Schriftsteller«.

Hassan Blasim lebt in Helsinki, Finnland.

[http://www.iraqstory.com/]

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