10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Hans Joachim Schädlich  [ Deutschland ]

Biographie

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© Brigitte Friedrich

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Versuchte Nähe

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 1977

Tallhover

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 1986

Anders

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 2003

Vorbei

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 2007

Kokoschkins Reise

Rowohlt

Reinbek bei Hamburg, 2010

Hans Joachim Schädlich wurde 1935 in Reichenbach im Vogtland geboren. Er studierte in Berlin und Leipzig Germanistik und promovierte 1966. Nach seinem Studium arbeitete er für die Akademie der Wissenschaften in Ostberlin und verfasste während dieser Zeit seine ersten literarischen Texte.

In seinen Kurzgeschichten, die vor der Wende erschienen und das Alltagsleben in der DDR thematisierten, kritisierte Schädlich offen die gesellschaftlichen Zustände in seinem Land. Sein erster Prosaband »Versuchte Nähe« (1977) konnte nur in Westdeutschland erscheinen, wo er sehr positiv aufgenommen wurde. Die regimekritische Haltung des Autors, der sich auch am Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns beteiligt hatte, führte zunehmend zu Konflikten mit dem Staatsapparat. Ende 1977 wurde Schädlichs Ausreiseantrag bewilligt. Er zog zunächst nach Hamburg, später nach Westberlin. In seinen seither entstandenen Romanen, Erzählungen und Essays spielt Schädlich immer wieder unterschiedliche Möglichkeiten durch, wie sich ein Mensch gegenüber den gesellschaftlichen Zwängen seiner Zeit verhalten kann. So beschreibt der Autor in seinem Roman »Tallhover« (1986) mit der gleichnamigen Hauptperson einen Typus Mensch, der sich obrigkeitshörig der Überwachung seiner Mitmenschen verschrieben hat. Angesiedelt im 19. und 20. Jahrhundert, forscht der Spitzel Tallhover etliche Gehilfen von historischen Größen wie Rosa Luxemburg und Lenin aus und ist am Ende noch immer nicht mit seinem Engagement für den Obrigkeitsstaat zufrieden. Die Austarierung der Optionen, wie sich ein Individuum innerhalb der herrschenden politischen Verhältnisse positionieren kann, ist als roter Faden in Schädlichs Werk, das sich durch einen nüchternen, verknappten Sprachstil auszeichnet, auch zwei Jahrzehnte nach »Tallhover« noch präsent. In dem 2003 erschienenen Roman »Anders« rekonstruieren zwei gealterte Meteorologen das Leben verschiedener bekannter Persönlichkeiten, die anlässlich einer Änderung der politischen Ausgangssituation einen abrupten Rollenwechsel vollzogen haben. Schädlichs jüngst erschienener Roman »Kokoschkins Reise« (2010) erzählt die Lebensgeschichte eines 95-jährigen russischen Exilanten entlang der politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts.

Hans Joachim Schädlich hat für sein literarisches Werk zahlreiche Preise erhalten. Zu den bedeutendsten Ehrungen zählen unter anderem die Johannes-Bobrowski-Medaille und der Heinrich-Böll-Preis, der Kleist-Preis sowie der Schiller-Gedächtnispreis. Der Autor lebt in Berlin.

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