10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Drago Jančar  [ Slowenien ]

Biographie

Drago Jancar Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2002, 2010, 2012, 2015.

Bibliographie

Luzifers Lächeln
Wieser
Klagenfurt, 1996
[Ü: Klaus Detlef Olof]

Rauschen im Kopf
Zsolnay
Wien, 1999
[Ü: Klaus Detlef Olof]

Katharina, der Pfau und der Jesuit
Folio
Wien/Bozen, 2007
[Ü: Klaus Detlef Olof]

Nordlicht
Folio
Wien/Bozen, 2011
[Ü: Klaus Detlef Olof]

Der Galeerensträfling
Folio
Wien/Bozen, 2015
[Ü: Klaus Detlef Olof]

Drago Jančar wurde 1948 in Maribor, Jugoslawien (heute Slowenien), geboren und studierte dort Jura. In Ljubljana lernte er später Intellektuelle und Künstler kennen, die ebenfalls in Opposition zu den herrschenden Machthabern standen, u.a. den Autor und Widerstandskämpfer Edvard Kocbek. Auch seine langjährige Freundschaft zum Triester Autor Boris Pahor begann in jener Zeit. Ende der siebziger Jahre arbeitete Jančar als Dramaturg beim Film, 1980 wurde er Cheflektor beim slowenischen Verlag matica in Ljubljana. Im selben Jahr war er Mitbegründer des einflussreichen philosophischen Magazins »Nova revija« und von 1987 bis 1991 Vorsitzender des slowenischen PEN-Zentrums. Er setzt sich vehement für die Demokratisierung seines Landes ein und publizierte zahlreiche Essays und Berichte zum Bosnienkrieg.

Jančars schriftstellerische Laufbahn reicht bis in die Jugendjahre zurück, als seine ersten Texte in dem Wochenmagazin »Mladina« abgedruckt wurden. Sein Œuvre umfasst mehrere Bände Kurzprosa, Romane, Bühnenstücke sowie Aufsätze zu politischen, historischen und kulturellen Themen. Bereits sein früher Roman »Galjot« (1978; dt. »Der Galeot«, 2004), der im 17. Jahrhundert angesiedelt ist und in dem der Protagonist die Qualen der Inquisition und Pest durchmacht, zeugt von stilistischer Brillanz und atmosphärischer Dichte. Zugleich ist jener historische Stoff als Parabel auf Repressionen in der Gegenwart zu lesen. Nach seinem als Meisterwerk gefeierten Roman »Severni sij« (1984; dt. »Nordlicht«, 2011) erschien auch »Galjot« in einer deutschen Neuausgabe unter dem Titel »Der Galeerensträfling« (2015). Zuletzt erschien Jančars Roman »To noč sem jo videl« (2010; dt. »Die Nacht, als ich sie sah«, 2015) über das schillernde Leben einer jungen Frau, die in den Wirren der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Slowenien verschwindet, aber in den Erinnerungen von fünf Personen weiterlebt, die sie kannten.

Für sein Werk wurde Jančar von zahlreichen internationalen Kulturinstitutionen prämiert. Er erhielt u.a. den Prešeren-Preis (1993), den Kresnik-Preis für den besten slowenischen Roman des Jahres 1998 sowie den Jean-Améry-Preis für Essayistik (2007). 2012 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Prix Européen de Littérature und 2014 für »To noč sem jo videl« (fr. »Cette nuit, je l’ai vue«, 2014) mit dem Prix du Meilleur livre étranger für das beste ausländische Buch ausgezeichnet. Jančar lebt in Ljubljana.