10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2010 / Dieter Bachmann

Dieter Bachmann  [ Schweiz ]

Biographie

Dieter Bachmann
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2001, 2002, 2008, 2010, 2015.

Bibliographie

Rab
Ammann
Zürich, 1985

Der kürzere Atem
Residenz
Salzburg, 1998

Grimsels Zeit
Berlin Verlag
Berlin, 2002

Die Vorzüge der Halbinsel: Auf der Suche nach Italien
Marebuch
Hamburg, 2008

Unter Tieren
Limmat
Zürich, 2010

Ein Schreibtisch in Montparnasse: Ein Gespräch
Wallstein Verlag
Göttingen, 2011

Dieter Bachmann wurde 1940 in Basel geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in Zürich und schloss mit einer Dissertation über Essay und Essayismus ab. Danach arbeitete er als Literatur- und Theaterkritiker, machte Filme fürs Fernsehen. Nach Anstellungen als Redakteur bei der »Weltwoche« und dem »Tages-Anzeiger Magazin« wurde er 1981 freier Autor. Mit einem erneuerten Konzept übernahm er 1988 die Chefredaktion der Kulturzeitschrift »du«. Zehn Jahre später zog er sich zum Schreiben ins Tessin zurück. 2000 übernahm er die Leitung des Istituto Svizzero in Rom. Heute lebt er als freier Autor in Umbrien und Zürich.

Neben zahlreichen Beiträgen in Zeitungen und Zeitschriften verfasste er Anthologien und Sachbücher, vor allem zur Fotografie. Zahlreiche erzählerische Essays, darunter sein großer Versuch über Italien, »Die Vorzüge der Halbinsel« (2008). Als Romanautor machte er sich einen Namen mit »Rab« (1985), »Der kürzere Atem« (1998), »Grimsels Zeit« (2002). »Unter Tieren« (2010) ist sein jüngster essayistisch-erzählerischer Versuch. Seine Helden sind »Rückzugsfiguren«, Weltflüchtlinge und Misanthropen – so zum Beispiel Schlösser, die Hauptfigur aus »Der kürzere Atem«. Dieser lebt in selbst gewählter Tessiner Abgeschiedenheit, bis er eines Tages Gelegenheit bekommt, aus dem Einsamkeitswunsch einen Beruf zu machen: Als »Ziereremit« lässt er sich von einem englischen Lord einstellen, der für seinen Park einen Einsiedler-Darsteller braucht. Die Kritik zog Vergleiche zu Paul Valéry, Samuel Beckett und Max Frisch.

In »Grimsels Zeit« zieht Bachmann einen erzählerischen Bogen vom Ende der 1940er zum Ende der 1950er Jahre. Hintergrund: die verschonte Stadt am Rheinknie, Basel. Kindheit und Erwachsenwerden im Nachkrieg und im Klima des Kalten Kriegs, behütet, doch einsam, scheu, weltsüchtig. Bachmanns bedeutendster Roman ist ein sprachmächtiges Panorama − »ein grandioses Zeitbild [...], ein Buch einer ganz hohen Stilkunst« (Die Zeit).

In seinem neuesten Prosaband »Unter Tieren« wendet sich Bachmann von den Menschen ab: »Das Tier ist der bessere Mensch.« Hebel notiert und sammelt Einzelnes, Auffallendes, das, was seine »Zettelwirtschaft« wird − in Korrespondenz mit seinem Freund Anderberg, einem ehemaligen Schadensinspektor, der den Menschen für einen Elementarschaden hält. Notate, Korrespondenz, Denkbilder, das wird eine Art Tagebuch mit Tieren − in kurzen Texten und pointierten Beschreibungen und schließlich dem Bekenntnis: »Das Tier dir anheim gegeben, der du doch nur ein Mensch bist: tiefste Rührung, Verzückung.«

Dieter Bachmann erhielt den Einzelwerkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung, Werkbeiträge und Auszeichnungen der Stadt und des Kantons Zürich. Er war u. a. Stiftungsrat bei Pro Helvetia und Juror beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt.

© internationales literaturfestival berlin

abgelegt unter: