10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Azouz Begag  [ Frankreich ]

Biographie

Azouz Begag Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2002, 2003, 2004, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2014.

Bibliographie

Aber die Erde ist rund

Belz & Gelberg

Weinheim, 1993

[Ü: Ruth Subjetzki]

[Ill: Catherine Louis]

Azouz, der Junge vom Stadtrand

Nagel & Kimche

Zürich, 1998

[Ü: Regina Keil]

Insel der Winde

Unionsverlag

Zürich, 2001

[Ü: Regina Keil]

C’est quand il y en a beaucoup~…

Belin

Paris, 2011

Salam Ouessant

Albin Michel

Paris, 2012

Azouz Begag wurde 1957 in Lyon geboren. Er ist als Schriftsteller, Soziologe, Wirtschaftswissenschaftler und Politiker bekannt. Seine Eltern stammten ursprünglich aus Algerien und emigrierten 1949 nach Frankreich. Begag wuchs zunächst in Villeurbanne in der Banlieu von Lyon auf, bis die Familie in die Lyoner Altstadt zog. In seiner Schulzeit wurde er häufig mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert. Trotz des Vorsatzes, wieder nach Algerien überzusiedeln, wo er zusammen mit seinen Brüdern die Sommer verbrachte, entschloss er sich mit Mitte zwanzig schließlich dazu, in Frankreich zu bleiben. Ab 1980 war er am Institut für Sozial- und Humanwissenschaften in Lyon sowie als Forscher im CNRS (Le Centre national de la recherche scientifique) tätig, der größten Forschungsorganisation Europas. An der Université Lyon 2 promovierte Begag 1984 in Wirtschaftswissenschaften mit der Arbeit »L’Immigré et sa ville« (Ü: Der Immigrant und seine Stadt), in welcher er sich soziologischen Studien zur Mobilität und Identität von Einwanderern widmete. 1988 übernahm er zudem eine Gastprofessur an der Cornell University im US-Bundestaat New York.

Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit trat er 1986 mit seinem autobiografisch geprägten Jugendroman »Le Gone du Chaâba« (1986; dt. »Azouz, der Junge vom Stadtrand. Eine algerische Kindheit in Lyon«, 1998) auch als Schriftsteller hervor. Darin reflektiert er humorvoll und detailliert seine eigenen Erfahrungen als Kind eines Gastarbeiters, thematisiert die doppelte Identität und reflektiert außerdem den Unterschied zwischen den Einwanderergenerationen. Der Roman wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und 1998 verfilmt. Seitdem verfasste Begag mehr als zwei Dutzend Kinder- und Jugendbücher, Romane sowie zahlreiche Essays und Sachbücher zu kulturellen und politischen Themen mit besonderem Fokus auf Fragen der Immigration und Integration. Zuletzt erschienen sein Essay »C’est quand il y en a beaucoup~...« (2011; Ü: Wenn es davon viel gibt~…), der sich auf der Grundlage seiner langjährigen Erfahrung als Soziologe und Politiker mit aktuellen Gefahren und Problemen in der französischen Gesellschaft auseinandersetzt, und der Roman »Salam Ouessant« (2012).

Seit 2004 ist Begag Mitglied des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen. 2005 bis 2007 war er außerdem beigeordneter Minister für die Förderung von Chancengleichheit unter dem damaligen Premierminister Dominique de Villepin. In seinem politischen Amt engagierte er sich auf allen Ebenen für die gesellschaftliche Vielfalt; in diesem Zusammenhang sagte er auch: »Ich habe mein Kabinett entsprechend dieser Vielfalt zusammengestellt; es ähnelt dem Frankreich von heute.« Begag ist 2005 zum Ritter der Ehrenlegion sowie des Ordre national du Mérite ernannt worden. Er ist außerdem Schirmherr der NGO »Bibliothèques Sans Frontières«, die sich weltweit für die Gründung und Unterstützung von Bibliotheken einsetzt. Begag lebt in Paris.

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