10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2010 / Ayşe Kulin

Ayşe Kulin  [ Türkei ]

Biographie

ldw.Kulin.portrait.jpg
© Ömer Akcay

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Adı: Aylin

Everest Yayınları

Istanbul, 2007

Steinmauer und offene Fenster

Erzählungen türkischer und deutscher Autorinnen

Hrsg. v. Rita Rosen und Ayşe Kulin

Literaturca

Frankfurt/Main, 2007

Geniş Zamanlar

Edition Orient

Berlin, 2007

Türkan

Edition Orient

Berlin, 2009

Der schmale Pfad

Unionsverlag

Zürich, 2010

[Ü: Angelika Gillitz-Acar und Angelika Hoch]

Ayşe Kulin wurde 1941 in Istanbul geboren. Ihr bosnischer Vater Muhittin Kulin hatte das Wasserministerium aufgebaut, ihre Mutter, Sitare Hanım, war Tscherkessin und Enkelin des ersten osmanischen Wirtschaftsministers. Kulin wuchs in Ankara auf, verbrachte die Sommermonate aber bei der Familie ihrer Mutter in Istanbul, die noch dem traditionellen osmanischen Kodex verpflichtet war – beide Welten beeinflussten gleichermaßen ihr Schreiben. Kulin studierte am American College for Girls Literaturwissenschaften. Während des ersten Militärputsches 1960 war sie aktive Sozialdemokratin. In den 1980er Jahren arbeitete sie als Redakteurin und Reporterin für türkische Zeitungen und Zeitschriften sowie als Produzentin für Fernsehen, Werbespots und Kinofilme.

Für ihre Erzählung »Foto Sabah Resimleri« (Ü: Fotografien von Sabah) erhielt sie 1996 den Sait-Faik-Preis für Kurzgeschichten. 1997 veröffentlichte sie ihren ersten Roman »Adı: Aylin«, der autobiografische Züge trägt und für den sie von der literaturwissenschaftlichen Fakultät Istanbul zur Autorin des Jahres gewählt wurde. In ihren Romanen greift Kulin Themen von gesellschaftlicher und politischer Brisanz auf: »Mir geht es beim Schreiben immer darum, die Finger auf die sozialen Wunden zu legen.« 1999 erschien ihr Roman »Sevdalinka« über die unterdrückte muslimische Minderheit und den bosnischen Bürgerkrieg. Für ihren 2001 entstandenen Roman »Köprü« unternahm Kulin in der Bemühung um ein authentisches Bild vom Leben der vorwiegend kurdischen Bevölkerung in den türkischen Ostprovinzen ausgedehnte Recherchereisen. »Nefes Nefes’e« (2002) erzählt davon, wie türkische Diplomaten und Mitglieder der französischen Résistance das Leben von Juden während des Zweiten Weltkriegs retteten, indem sie ihnen eine Flucht aus Europa mit dem Orient-Express ermöglichten, und basiert auf authentischen Schilderungen geflohener Juden. Kulins Roman »Bir Gün« (2005) ist im Juli 2010 unter dem Titel »Der schmale Pfad« auf Deutsch erschienen. Er handelt von der Begegnung einer inhaftierten kurdischen Politikerin mit einer türkischen Journalistin. Dabei werden brisante Themen wie staatliche Gewalt, Folter und katastrophale Haftbedingungen, ungenügende Bildungschancen für Kurden, mangelnde Rechte für Frauen, Blutrache und Ehrenmord angesprochen. In ihrer Auseinandersetzung gewinnen die beiden Protagonistinnen Verständnis für die Situation und Haltung der anderen.

Viele der Erzählungen und Romane von Ayşe Kulin wurden verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Seit 2007 ist sie ehrenamtliche UNICEF-Botschafterin. Sie lebt in Istanbul.

abgelegt unter: