10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Antonio Ungar  [ Kolumbien ]

Biographie

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© Jorge Mario Múnera

Gast des ilb 2010, 2012.

Bibliographie

Trece circos communes
Norma
Barcelona, 1999

De ciertos animales tristes
Norma
Barcelona, 2000

Zanahorias voladoras
Alfaguara
Madrid, 2004

Las orejas del lobo
Ediciones B
Bogotá, 2006

Drei weiße Särge
S. Fischer
Frankfurt a. M., 2012
[Ü: Susanne Lange]

Antonio Ungar, 1974 in Bogotá geboren, entdeckte schon früh das Universum der Bücher für sich. Seine Großeltern, nach Kolumbien emigrierte Juden aus Wien, führten in Bogotá die älteste Buchhandlung des Landes. Zunächst studierte Ungar jedoch Architektur und lebte ein Jahr im Urwald am Orinoco. Weitere Stationen waren Mexiko, Barcelona und Manchester. Er arbeitet als Journalist und veröffentlichte seine Reportagen und Chroniken in zahlreichen internationalen Zeitungen und Zeitschriften. 2005 erhielt er den Journalistenpreis Premio Nacional de Periodismo Simón Bolívar.

Schriftstellerisch debütiert Ungar 1999 mit seinem ersten von bisher drei Erzählbänden »Trece circos comunes« (Ü: Dreizehn gewöhnliche Zirkusse), beunruhigenden Geschichten an der Grenze zwischen Realität und Wahn, zwischen Absurdität und Illusion. »Das ganze Leben kann ein Spiel sein. Vielleicht können wir besser spielen, wenn wir verstehen, dass wir spielen und auch was gespielt wird«, schrieb der Autor über sein Debüt. In Ungars erstem Roman »Zanahorias voladoras« (2004; Ü: Fliegende Mohrrüben) schildert der Protagonist, ein kolumbianischer Emigrant in Barcelona, seinen fortschreitenden körperlichen und mentalen Verfall. 2006 folgte der Roman »Las orejas del lobo« (Ü: Die Ohren des Wolfes), der aus der Perspektive eines kleinen, rothaarigen Jungen, der wenig redet, die Welt der Erwachsenen beschreibt und ihre Unzulänglichkeiten bloßstellt. Als einschneidendes Erlebnis muss von dem Jungen der Verlust des Vaters verarbeitet werden und auch das unstete Leben seiner Mutter setzt ihm zu. Ungars Interesse gilt aber auch den politischen Gegebenheiten in Lateinamerika. Sein jüngstes Werk »Tres ataúdes blancos« (2010; dt. »Drei weiße Särge«, 2012), das mit dem renommierten Premio Herralde geehrt und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, ist ein politischer und satirischer Thriller. Lorenzo, einzelgängerisch, übergewichtig und wenig gesellschaftsfähig, nimmt die Identität eines ermordeten Oppositionsführers an – in Miranda, einem fiktiven Land in Lateinamerika. Mit schwarzem Humor als wesentlichem Merkmal wird Lorenzos Kampf gegen das herrschende totalitäre Regime erzählt. Ungar enthüllt dabei schonungslos die Widersprüche seiner Charaktere und die Unannehmbarkeit der gewalttätigen Wirklichkeit, in der sie leben. Der vielschichtige Roman, den ein direkter und schnörkelloser Stil prägt, erweist sich als Anklage der politischen Verhältnisse nicht nur in Kolumbien, sondern auch in anderen Ländern seines Heimatkontinents wie etwa Venezuela und Peru. »Obwohl das Land erfunden ist, ist alles real«, so der Autor.

Antonio Ungar wurde für ein Stipendium an der University of Iowa ausgewählt und zählt zu den »Bogotá 39«, den 39 besten lateinamerikanischen Schriftstellern unter 39 Jahren. Zurzeit lebt er gemeinsam mit seiner Frau, der palästinensischen Schriftstellerin Zahiye Kundos, in Jaffa.

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