10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Anilda Ibrahimi  [ Italien, Albanien ]

Biographie

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© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Cristallo di tristezza

Eurorilindja

Tirana, 1996

L’amore e gli stracci del tempo

Einaudi

Turin, 2009

Rot wie eine Braut

btb

Berlin, 2011

Anilda Ibrahimi wurde 1972 in der Hafenstadt Vlora im kommunistischen Albanien geboren. Sie studierte moderne Literatur in Tirana und arbeitete für zahlreiche Radio- und Fernsehsender und Tageszeitungen. 1994 verließ sie das Land, um sich auf eine Reise durch Europa zu begeben, die sie zunächst in die Schweiz führte. Sie schrieb dort für eine kosovarische Exilzeitung und veröffentlichte ihren ersten Lyrikband »Cristallo di tristezza« (1996; Ü: Kristall der Traurigkeit). 1997 kam sie nach Italien, arbeitete dort weiterhin als Journalistin und war Beraterin beim italienischen Flüchtlingsrat. 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman »Rosso come una sposa« (dt. »Rot wie eine Braut«, 2011), der von mehreren Generationen einer südalbanischen Familie im 20. Jahrhundert erzählt. Wie in einem bunten Mosaik verbinden sich die Schicksale der Frauen und Männer in dem kleinen Bergdorf Kaltra, in dem es nach Raki und Quitten, nach türkischem Kaffee und gerade geerntetem Weizen duftet. Es ist das einfache und archaische Leben ihrer Kindheit, von dem Anilda Ibrahimi schreibt, von den Dingen, die sie am besten kennt, und vor allem auch von den Frauen, die sie geprägt haben. Mit ihrem Roman will sie diesen nicht nur ein Denkmal setzen, sondern dem stereotypen Bild der albanischen Frau entgegentreten, dem sie immer wieder begegnet und das sie mit Bitterkeit erfüllt. Sie entwirft ein »weibliches Universum« der Frauen in Albanien und beschreibt, wie es sich mit den Generationen wandelt. Den Lesern will sie eine andere, differenzierte Sicht auf ihre Heimat ermöglichen, die sich nicht in Folklore erschöpft. Anilda Ibrahimi schreibt in einem klaren, selbstironischen Stil, der ihre Abneigung gegen »metaphysische Monologe« erkennen lässt. Als Sprache für ihre Romane wählte sie das Italienische. Den Einklang mit ihrer Muttersprache, so sagt sie, habe sie verloren. Das Publikum, das sie vor Augen habe, sei der italienische Leser, auch wenn in ihrem Roman viele Ausdrücke vorkommen, die eine starke Affinität zu ihrer Muttersprache aufweisen. Gegen das Etikett, eine »Migrantenschriftstellerin« zu sein, wehrt sie sich jedoch.

»Rosso come una sposa« wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Premio Edoardo Kihlgren − Città di Milano, dem Premio Corrado Alvaro, dem Premio Città di Penne und dem Premio Giuseppe Antonio Arena e La Magna Capitana. Ibrahimis zweiter Roman »L’amore e gli stracci del tempo« (Ü: Die Liebe und die Lappen der Zeit) erschien 2009. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Rom.

Anilda Ibrahimi
© Ali Ghandtschi

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