10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2010 / Alois Hotschnig

Alois Hotschnig  [ Österreich ]

Biographie

ldw.hotschnig_portrait.JPG
© privat

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Aus

Luchterhand Literaturverlag

Frankfurt/Main, 1989

Eine Art Glück

Luchterhand Literaturverlag

Frankfurt/Main, 1990

Leonardos Hände

Luchterhand Literaturverlag

Hamburg, 1992

Absolution

Kiepenheuer & Witsch

Köln, 1994

Ludwigs Zimmer

Kiepenheuer & Witsch

Köln, 2000

Die Kinder beruhigte das nicht

Kiepenheuer & Witsch

Köln, 2006

Im Sitzen läuft es sich besser davon

Kiepenheuer & Witsch

Köln, 2009

Alois Hotschnig wurde 1959 in Berg/Drautal in Kärnten geboren. Er begann Medizin zu studieren, wechselte jedoch zu den Fächern Germanistik und Anglistik an der Universität Innsbruck. Für seine erste Erzählung »Aus«, die 1989 erschien, erhielt Hotschnig den Förderpreis des Landes Kärnten. Wie in vielen seiner späteren Werke ist der Schauplatz eine scheinbare Idylle. In einem österreichischen Dorf bricht der Bauernsohn Artur Kofler am Sterbebett seines Vaters das Schweigen über die Demütigungen und die Brutalität, die über Generationen in der männlich geprägten Dorfgemeinschaft weitergetragen wurden. Alois Hotschnigs Ton ist schlicht, genau und erbarmungslos. Die Abrechnung mit der Elterngeneration spielt auch in seinem 1994 uraufgeführten Theaterstück »Absolution« eine wichtige Rolle: Ludwig ist tot, die Eltern warten auf die Überstellung seiner Leiche. Während des Wartens wirft Ludwigs Bruder Georg dem Vater dessen Verfehlungen und Lebenslügen vor. Bis zum Schluss bleibt offen, ob Ludwig wirklich gestorben ist oder ob er doch noch zur Tür hereinkommen wird. Alois Hotschnigs Schreiben trägt Züge des Existenzialismus, wie er sich in Samuel Becketts »Warten auf Godot« findet. In seinem Erzählband »Die Kinder beruhigte das nicht« von 2006 wartet eine Familie auf Onkel Walter, der ein fester Bestandteil ihres Lebens ist, ohne dass er je aufgetaucht wäre. Hotschnig umkreist die Abwesenheit von Personen. Seine Figuren sind in absurden Zuständen gefangen, in Beziehungen, deren Grund und Sinn sie nicht verstehen und die in ihrer Ausweglosigkeit und Beklemmung etwas Kafkaeskes haben.

Obwohl er auch Romane schreibt, ist Alois Hotschnig vor allem ein wichtiger Vertreter der Erzählung: »In der kürzeren Form ist es mir eher möglich, neue Facetten meines Schreibens auszuprobieren.« 2008 erhielt er den Erich-Fried-Preis, weil er, so die Jury, »wie derzeit kein anderer deutschsprachiger Schriftsteller die zu Unrecht allgemein vernachlässigte« literarische Gattung Erzählung behaupte und entwickle. Auch sein neuestes Werk ist ein Erzählband: »Im Sitzen läuft es sich besser davon« erschien 2009. Gleich in der ersten Geschichte klingt ein neuer schwarzhumoriger Ton an: Der Hund Karl tyrannisiert ein ganzes Dorf, bis sich herausstellt, dass seine Bisse eine heilende Wirkung haben. Wie in seinen anderen Werken zeigt Hotschnig auch diesmal die Freude am absurden Dialog und zieht den Leser in seine genauen Beobachtungen scheinbar alltäglicher Dinge hinein. Die Süddeutsche Zeitung lobte ihn als einen »der besten Autoren seiner Generation«. Alois Hotschnig lebt als freier Autor in Innsbruck.