10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Alberto Manguel  [ Kanada, Frankreich ]

Biographie

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(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2010, 2013.

Bibliographie

Im siebten Kreis

Volk und Welt

Berlin, 1996

[Ü: Chris Hirte]

Die Bibliothek bei Nacht

S. Fischer

Frankfurt/Main, 2007

[Ü: Manfred Allié, Gabriele Kempf-Allié]

Eine Geschichte des Lesens

Illustrierte Neuausgabe

S. Fischer

Frankfurt/Main, 2008

[Ü: Chris Hirte]

Alle Menschen lügen

S. Fischer

Frankfurt/Main, 2010

[Ü: Susanne Lange]

Zwei Liebhaber des Schattens

S. Fischer

Frankfurt/Main, 2013

[Ü: Lisa Grüneisen, Gottwalt Pankow]

Alberto Manguel wurde 1948 in Buenos Aires als Sohn eines argentinischen Diplomaten geboren und verbrachte seine frühen Jahre in Israel. Er wuchs zunächst englischsprachig auf, bevor er Spanisch lernte. Schon mit vier lernte er lesen und verbrachte krankheitsbedingt einen Großteil seiner Kindheit allein mit Büchern. Noch während der Schulzeit in Buenos Aires arbeitete er in einer Buchhandlung und wurde als 16-Jähriger vom erblindeten Dichter Jorge Luis Borges als Vorleser engagiert, worüber er in seinem Essay »With Borges« (2004 – dt. als Nachwort in der von Manguel herausgegebenen Borges-Anthologie »Die unendliche Bibliothek«) berichtet. Manguel studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, arbeitete als Verlagslektor, schrieb Kritiken, Theaterstücke, Filmskripte und übersetzte u. a. Marguerite Yourcenar ins Englische.

1991 veröffentlichte er seinen ersten Roman »News from a Foreign Country Came« (dt. »Im siebten Kreis«, 1996), der in Kanada und Algerien spielt. Die Rekonstruktion eines Attentats auf einen ehemaligen Polizisten fügt sich hier zu einem kritischen Gesellschaftsporträt. Mit seinem Essay »A History of Reading« (1996; dt. »Eine Geschichte des Lesens«, 1998), einer Biografie des Autors als Leser, wurde Manguel weltweit bekannt und u. a. mit dem Prix Médicis ausgezeichnet. Ausgehend von den Lektüren seiner Kindheit, zu denen Lewis Carroll, Robert Louis Stevenson und Enid Blyton zählten, zeichnet er überaus spannend die Kulturgeschichte des Lesens von der Antike bis heute nach. Dabei geht er nicht chronologisch, sondern primär intuitiv vor, da Lesen für ihn immer mit dem Zufall verknüpft ist. Auch in seinem Essayband »Into the Looking Glass Wood« (1998; dt. »Im Spiegelreich«, 1999) setzt er sich mit dem Lesen auseinander, denn »was unverändert bleibt, ist meine Lust zu lesen, das Buch in der Hand zu halten und plötzlich dieses eigenartige Gefühl des Staunens, des Erkennens zu spüren, den Schauder oder die Wärme, die eine gewisse Abfolge von Wörtern manchmal ohne ersichtlichen Grund in uns erzeugt«. 2005 veröffentlichte Manguel auf Spanisch den Erzählband »El regreso« (2005; dt. »Zwei Liebhaber des Schattens«, 2013) über einen militanten Politiker, der nach dreißig Jahren im Exil in seine alte Heimat zurückkehrt. 2013 erschien das Werk in Deutschland, zusammen mit einem weiteren Kurzroman, in dem sich der Autor mit den Tiefen des menschlichen Begehrens auseinandersetzt.

Seine über 30.000 Bände umfassende Bibliothek wurde zum Ausgangspunkt für sein Buch »The Library at Night» (2007; dt. »Die Bibliothek bei Nacht«, 2007), einen Streifzug durch reale und fiktive Bibliotheken auf der ganzen Welt. 2008 erschien sein jüngstes Werk »Todos los hombres son mentirosos« (dt. »Alle Menschen lügen«, 2010), eine melancholische Komödie über die Ambivalenz von Lüge und Wahrheit vor dem Hintergrund von Diktaturerfahrungen.

Alberto Manguel lebt in einem kleinen Dorf in der westfranzösischen Region Poitou-Charentes.

[http://www.alberto.manguel.com]

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