10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Yussef Bazzi  [ Libanon ]

Biographie

Yussef Bazzi Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Al-muraqqat
Riad al-Rayyis
London/Beirut, 1989

Raghabat kawi-ya
ka-asnanina
Dar Al-jadid
Beirut, 1993

Tahta l-mitraqa
Riad al-Rayyis
London/Beirut, 1997

Bi-la maghfira
Riad al-Rayyis
Beirut, 2004

Yassir Arafat sah mich
an und lächelte
Diaphanes
Berlin, 2009
[Ü: Nermin Sharkawi]

Übersetzer: Nermin Sharkawi

Youssef Bazzi wurde 1966 in der libanesischen Hauptstadt Beirut geboren. Sein Leben ist wie das seiner ganzen Generation zutiefst durch den libanesischen Bürgerkrieg geprägt worden, der im April 1975 ausbrach und sich bis 1990 in immer wieder neuen Konstellationen und in unterschiedlich starker Intensität hinzog. Als Teenager schloss er sich einer der Milizen an. 1986 floh er nach Afrika. Er arbeitete als Journalist in Kuweit und Abu Dhabi und ist heute beim Feuilleton der libanesischen Tageszeitung »al-Mustaqbal« tätig.

Youssef Bazzi hat bislang vier Gedichtbände veröffentlicht. Sein erstes Prosawerk »Nazara alaya Yassir Arafat wa-btasama« (2005; dt. »Yassir Arafat sah mich an und lächelte«, 2009) bietet einen radikal subjektiven Blick auf den Alltag eines zwischen 1981 und 1986 am libanesischen Bürgerkrieg beteiligten jugendlichen Kämpfers. Stilistisch knapp und zurückhaltend, wirkt der Text fast protokollarisch. Es gibt weder ausführliche Beschreibungen, die die Szenerie plastisch werden lassen, noch Hintergrundinformationen zum Verlauf des Krieges, seinen Ursachen und den Zielen der an ihm beteiligten Parteien. Auch die Brutalität und die Gewalt werden nicht in Szene gesetzt oder erzählerisch ausgestaltet, sondern vielmehr nüchtern benannt. Existenzielle Fragen werden mit einer geradezu aufreizenden Beiläufigkeit erwähnt. So entsteht der Eindruck einer auf den ersten Blick paradox erscheinenden Einheit von Lakonie und Pathos. Der Text will offensichtlich nichts begründen oder erklären: Man erfährt als Leser nicht – oder höchstens zufällig –, wer wann warum gegen wen kämpft. Mit diesen stilistischen Mitteln und dadurch, dass der Roman durchgehend in der ersten Person Singular und im Präsenz erzählt ist, setzt der Autor mit seinem Text den Leser der Unmittelbarkeit der Kampfhandlungen aus. Diesem geht bald, ganz wie dem Protagonisten, auf beunruhigende Weise der Überblick über die Geschehnisse verloren.

Youssef Bazzi lebt in Beirut.

© internationales literaturfestival berlin

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