10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Yuri Herrera  [ Mexiko ]

Biographie

Portrait Yuri Herrera
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

¡Éste es mi Nahual! Consejo Estatal para la Cultura y las Artes de Hidalgo Pachuca, Hidalgo, 2007 Abgesang des Königs S. Fischer Frankfurt a. M., 2011 [Ü: Susanne Lange]

Der König, die Sonne, der Tod Mexikanische Trilogie S. Fischer Frankfurt a. M., 2014 [Ü: Susanne Lange]

Yuri Herrera Gutiérrez wurde 1970 in Actopan, Mexiko, geboren. 1997 schloss er sein Studium der Politikwissenschaften in Mexiko-Stadt ab, auf das 2003 ein Abschluss in Kreativem Schreiben an der University of Texas at El Paso und 2009 die Promotion in Hispanischer Sprache und Literatur an der University of California, Berkeley, folgten. Er hatte zahlreiche Lehraufträge und Gastprofessuren in Mexiko, Frankreich und den USA inne, veröffentlichte Geschichten, Reportagen und Aufsätze u.~a. in den Tageszeitungen »El País«, »Reforma« und »La Jornada«, den Zeitschriften »El Malpensante« und »Letras Libres« sowie in literarischen Anthologien und war Gründer und Herausgeber des Literaturmagazins »El Perro«.

2004 erscheint sein Debütroman »Trabajos del reino« (2004; dt. »Abgesang des Königs«, 2011/2014). Lobo, der Erzähler, ist Corrido-Sänger nahe der US-amerikanischen Grenze. Als er von einem Narco-Boss als Hofkünstler aufgenommen wird, offenbart sich ihm nicht nur die Brutalität des Drogengeschäfts, sondern auch das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Künstler und Herrscher. »Die Prosa ist nüchtern, hart, treffend und schmeckt nach Schießpulver, denn Yuri feuert mit Präzision ab«, bemerkt in »La Jornada« Elena Poniatowska, die Herreras Roman mit Werken von Ricardo Piglia vergleicht. An seinen Erstlingserfolg knüpft er mit »Señales que precederán al fin del mundo« (2009; dt. »Zeichen, die vom Weltende künden«, 2014) an, einem Roman, in dem er, angelehnt an den Aztekenmythos vom Abstieg in die Unterwelt Mictlan, die junge Makina in neun Etappen-Kapiteln von ihrem zentralmexikanischen Dorf aus in die USA reisen lässt, um dort ihren Bruder zu suchen – eine Reise auch durch Kulturen, Sprachen und Mythen ihres Landes. Sein drittes und jüngstes Werk, »La transmigración de los cuerpos« (2013; dt. »Körperwanderung«, 2014), siedelt Herrera in einer namenlosen Stadt an, in der eine Epidemie die Menschen isoliert. Gleichzeitig ist es dieser Ausnahmezustand, der den Protagonisten Alfaki mit der Dreimalblonden zusammenbringt, ihn zum Informanten, Mittelsmann und Hoffnungsträger inmitten des Unheils werden lässt. Ursprünglich nicht als solche angelegt, verbinden sich die drei kurzen Romane, die in deutscher Übersetzung gesammelt erscheinen, zu einer Trilogie über das gegenwärtige Mexiko, in der Herreras sprachliche Gestaltungskraft die Figuren nicht nur ihre Welt eindrücklich beschreiben, sondern diese in von kultureller Vielfalt geprägten Worten erst erschaffen lässt: »Yuri Herrera ist weltweit eine der bedeutendsten Stimmen der mexikanischen Gegenwartsliteratur« (Élmer Mendoza in »El Universal«).

Sein Werk, das auch das Kinderbuch »¡Éste es mi Nahual!« (2007; Ü: Dies ist mein Nahual!) umfasst, ist vielfach übersetzt und mehrfach ausgezeichnet worden, u.~a. mit dem Premio Binacional de Novela Joven Fronteras de Palabras (2003) und dem Premio Otras Voces, Otros Ámbitos (2009). Derzeit lehrt Herrera an der Tulane University, New Orleans.

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