10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Yassin Adnan  [ Marokko ]

Biographie

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© privat

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Mannequins
Manshurat Ittihad kuttab
al-Maghrib
Casablanca, 2000

Man yusaddiq al-rasa'il?
Dar Mirit
Kairo, 2001

Tuffah al-zill
Benmsik-Universität
Casablanca, 2006

La akad ara
Dar al-Nahda al-arabiyya
Beirut, 2007

Marakish: asrar mu’lana /
Marrakech: secrets affichés
Dar Marsam
Rabat, 2008

Yassin Adnan wurde 1970 in Safi (Marokko) geboren. Er studierte englische Literatur und Erziehungswissenschaften an der Universität Marrakesch und der Universität Mohammad V. in Rabat und arbeitete als Englischlehrer. Heute ist er vor allem für seine wöchentliche Kultursendung »Macharif« im marokkanischen Fernsehsender TVM bekannt, die 2007 und 2008 als beste Kultursendung ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus ist er für den marokkanischen Rundfunk, als Korrespondent für die libanesische Tageszeitung »al-Akhbar«, das Magazin »Dubaï Al-Thaqafiya« sowie als Redaktionsmitglied der libanesischen Kulturzeitschrift »Zawaya« tätig.

Bereits in seinem ersten Gedichtband »Mannequins« (2000) zeichnet sich seine Lyrik durch eine einfache, spontane Sprache aus, die ihn von anderen Dichtern seiner Generation in der arabischen Welt unterscheidet. Auch in seinem zweiten Gedichtband »Rasif al-qiyama« (2003; Ü: Bürgersteig der Auferstehung) versucht er nicht, die Leser durch den Gebrauch von Metaphern und rhetorischen Figuren zu blenden. Vielmehr verwendet er Prosaelemente, sodass Langgedichte entstehen, die von der Ahnung einer Geschichte zusammengehalten werden. »2000 sagte uns die Lehrerin, während der Regen an das Fenster klopfte und die Kälte in unsere kleinen Knochen kroch [...]: Bald werden wir diese grausame Welt in einem stolzen Trauerzug zu ihrer letzten Ruhestätte geleiten.« Die Gedichte sind gekennzeichnet durch einen verzweifelten Tonfall und eine düstere, albtraumhafte Haltung zum Leben. »Ich bin des ›Guten Morgens‹, der Kälte und des öden Geschwätzes überdrüssig. Ich bin des Laufens in diesem Trauerzug [...] und des Lebens überdrüssig.« Der dritte und bislang letzte Gedichtband »La akad ara« (2007; Ü: Ich kann kaum sehen) bejaht das Leben trotz des Schmerzes, der den gesamten Band durchzieht. »Die alten Männer wickelten / ihre Körper in dunkle Burnusse, / mit ernsten Gesichtern: Die Knochen sind gebrechlich geworden, / und in den Köpfen entflammten / die Brände dieser Zeiten, / doch wir, o Erde, / werden nicht zurücktreten, / denn unsere Söhne sind unser Blut.«

Zuletzt erschien in Zusammenarbeit mit Sa’d Sarhan »Marakish: asrar mu’lana« (2008; Ü: Marrakesch: angekündigte Geheimnisse), ein literarischer Text, der die Gesichtszüge seiner Heimatstadt nachzeichnet und in dem sich Prosa und Lyrik, Betrachtung und Erzählung, Realität und Legende mischen. Außerdem veröffentlichte Adnan zwei Bände mit Kurzgeschichten (»Man yusaddiq al-rasa'il?«, 2001, »Tuffah al-zill«, 2006)

Er ist Mitherausgeber der Literaturzeitschrift »Aswat mu’asira«, der Zeitschrift »al-Ghara al-shi’riyya«, Sprachrohr der neuen dichterischen Stimmen der 1990er Jahre, und des renommierten Internetportals für arabische Dichtung www.jehat.com. Seine Dichtung wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. Er lebt in Marrakesch.

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