10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Vincenzo Consolo  [ Italien ]

Biographie

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Das Lächeln des
unbekannten Matrosen
Insel
Frankfurt/Main, 1984
[Ü: Arianna Giachi]

Die Wunde im April
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1990
[Ü: Bettina Kienlechner und
Ulrich Hartmann]

Bei Nacht,
von Haus zu Haus
Folio
Wien, 2003
[Ü: Maria E. Brunner]

Retablo
Folio
Wien, 2005
[Ü: Maria E. Brunner]

Palermo. Der Schmerz
Folio
Wien, 2008
[Ü: Maria E. Brunner]

Vincenzo Consolo wurde 1933 im sizilianischen Sant’Agata di Militello in der Nähe von Messina geboren. Mit dreißig Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman und wurde damit sogleich bekannt. Neben Romanen hat er auch Erzählungen, Gedichte und Reiseberichte verfasst. Heute zählt Consolo zu den bedeutendsten italienischen Schriftstellern.
In seinem literarischen Debüt »La ferita dell’aprile« (1963; dt. »Die Wunde im April«, 1990) lieferte der Autor eine poetische Nacherzählung von Erlebnissen in seiner Jugend an der Nordküste Siziliens. Mit »Il sorriso dell’ignoto marinaio« (1975; dt. »Das Lächeln des unbekannten Matrosen«, 1984) gelang ihm der endgültige Durchbruch als Schriftsteller. Im Zentrum steht die Epoche der Unabhängigkeitskriege Italiens im 19. Jahrhundert. Eine kontinuierlich-lineare Handlung wird dabei aufgegeben zugunsten einer fragmentierten, polyphonen Erzählweise, die der Komplexität des Themas besser gerecht wird. Solcherlei sprachlich-stilistische Anpassungen an den Erzählgegenstand finden sich auch bei den nachfolgenden Büchern des Autors – sei es in »Retablo« (1987; dt. 2005), einer Parabel überdie Liebe vor dem Hintergrund Siziliens im 18. Jahrhundert, sei es in dem poetischen Roman »Nottetempo, casa per casa« (1992; dt. »Bei Nacht, von Haus zu Haus«, 2003) über die sizilianischen 1920er Jahre und den aufkommenden Faschismus. Mit dem Leitmotiv der Melancholie legt der Autor hier menschliche Abgründe offen, wobei sprachlich ständig die »Grenzen zum Lyrischen« berührt werden (»Süddeutsche Zeitung«). In seinem jüngsten Roman »Lo spasimo di Palermo« (1998; dt. »Palermo. Der Schmerz«, 2008) erzählt Vincenzo Consolo vielstimmig und andeutungsreich von Sizilien seit den 1960er Jahren, von Mafiamorden, schuldhafter persönlicher Verstrickung, von Werteverlust und vom Niedergang politischer Eliten im Italien der Nachkriegszeit. Dabei gelingt es dem großen Stilisten und Moralisten zugleich, sich »vor der kulturellen und literarischen Vielfalt des Mittelmeerraumes« (»Frankfurter Allgemeine Zeitung«) zu verbeugen.
Vincenzo Consolo wurde mit einer Vielzahl von italienischen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter dem Premio Grinzane Cavour und dem renommierten Premio Strega. 1994 wurde er mit dem Premio Internazionale Unione Latina ausgezeichnet. Außerdem erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Palermo und die der Universität Rom »Tor Vergata«. Im Jahr 2006 hat die Universität von Toronto den Aufsatz »Reading and Writing the Mediterranean. Essays by Vincenzo Consolo« herausgegeben. 2007 sind dann in der Presses Sorbonne Nouvelle die Ergebnisse der Tagung mit dem Titel: »Vincenzo Consolo, Ethique et Écriture« veröffentlicht worden. Der Autor lebt in Mailand und Sizilien.

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