10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Péter Nádas  [ Ungarn ]

Biographie

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© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2009, 2012.

Bibliographie

Ende eines Familienromans
Suhrkamp
Frankfurt a. M., 1979
[Ü: Hildegard Grosche]

Buch der Erinnerung
Rowohlt
Reinbek, 1991
[Ü: Hildegard Grosche]

Liebe
Rowohlt
Reinbek, 1996
[Ü: Christina Viragh]

Die Bibel
Berlin Verlag
Berlin, 2009
[Ü: Ruth Futaky]

Parallelgeschichten
Rowohlt
Reinbek, 2012
[Ü: Christina Viragh]

In der Dunkelkammer des Schreibens. Übergänge zwischen Text, Bild und Denken. Ausstellungskatalog.
Nimbusbooks
Wädenswil, 2012

Schattengeschichte/Lichtgeschichte. Fotografien
Nimbusbooks
Wädenswil, 2012

Arbor mundi. Über Maler, Bildhauer und Fotografen
Nimbusbooks
Wädenswil 2012

Péter Nádas wurde 1942 in Budapest geboren. In den sechziger Jahren arbeitete als Fotoreporter und Journalist, u.~a. für das Magazin »Nök Lapja« und die Tageszeitung »Pest Megyei Hirlap«.

Sein literarisches Debüt, die Erzählung »A biblia« (1967; dt. »Die Bibel«, 2009) verfasste er mit 23 Jahren. Die Novelle zeigt bereits, wie subtil Nádas politische und historische Aspekte in privaten Szenen zu reflektieren vermag, in diesem Fall das stalinistische Rákosi-Regime. Zwischen 1969 und 1977 wurde jede seiner Publikationen von der ungarischen Zensur unterdrückt, so dass sein erster Roman »Egy családregény vége« (1977; dt. »Ende eines Familienromans«, 1979) erst spät erscheinen konnte. Aus der Sicht eines Kindes geschildert, wird hier das totalitäre System, das bis in die Träume des jungen Erzählers wirkt, bloßgelegt. Mitunter lässt Nádas hierbei die Zeit- und Realitätsebenen fließend ineinander übergehen – eine narrative Technik, die er in seinen folgenden Werken perfektionierte. International bekannt wurde er durch »Emlékiratok könyve« (1986; dt. »Buch der Erinnerung«, 1991), an dem er elf Jahre lang arbeitete und der u.~a. von Susan Sontag als »bester Roman unserer Zeit« gepriesen wurde. Als verfremdete literarische Mise-en-abyme konzipiert, erstrecken sich gedoppelte, in sich verschachtelte und oftmals überkreuzende Ich-Erzählungen über nahezu ein Jahrhundert hinweg, die sich in den beiden von Ideologien geprägten Städten Berlin und Budapest zutragen. In den Folgejahren veröffentlichte Nádas Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Bildbände. Währenddessen schrieb er jedoch an seinem an Umfang und Komplexität noch den Vorgängerroman übertreffenden Opus magnum »Párhuzamos történetek« (2005; dt. »Parallelgeschichten«, 2012). Ausgehend von dem Fund einer Leiche im Berliner Tiergarten wenige Wochen nach dem Mauerfall, entspinnt sich ein über drei Bände ausuferndes Jahrhundertpanorama. Das Chaos zum kompositorischen Prinzip erhoben, ist das Mammutwerk ein Hypertext, dessen Verbindungen sich mitunter nur in einer genauen Lektüre erschließen. So werden Handlungsstränge oftmals abrupt unterbrochen, um Hunderte von Seiten später wieder aufgenommen zu werden. Gleichwohl bleiben andere Episoden und Figuren ohne direkten Bezug, gehören jedoch unabdingbar zu ebenjenem erst im Nebeneinander der Lebensrealitäten entstehenden Panoptikum. Neben dem politisch-historischen Abbild der jeweiligen Epoche findet Nádas eine Sprache, die sich dem Körperlichen und Intimen auf virtuose Weise anverwandelt.

Nádas wurde u.~a. der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur (1991) und der Franz-Kafka-Literaturpreis (2003) verliehen. Für die »Parallelgeschichten« wurde er zusammen mit Christina Viragh mit dem Literatur- und Übersetzungspreis »Brücke Berlin« 2012 ausgezeichnet. Nádas lebt in Gombosszeg und Budapest.

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