10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Norbert Gstrein  [ Österreich ]

Biographie

Norbert Gstrein Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Einer. Erzählung
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1988

Die englischen Jahre
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1999

Das Handwerk des Tötens
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2003

Wem gehört eine
Geschichte?
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004

Die Winter im Süden
Hanser
München, 2008

Norbert Gstrein wurde 1961 in Mils (Tirol) geboren und lebt zurzeit in Hamburg. Seine Romane und Erzählungen werden einmütig für ihre formale Brillanz bewundert, in der die Konstruktion der Wirklichkeit durchscheinend wird. Feine Beobachtungen und präzise gezeichnete Details fügen sich in ausbalancierten Satzperioden zu Beschreibungen, die sich im Spiel mit der Chronologie und der Perspektive des Erzählers mehr und mehr als Interpretationen erweisen. Alle Darstellungsformen der Sprache scheinen an die existenzielle Dimension der Wirklichkeit nicht heranreichen zu können. Dieses notwendige, doch redliche Scheitern wendet Gstrein häufig gegen die vorschnelle, verständnisvolle Einverleibung von Realität an.

In seinem Roman »Die englischen Jahre« (1999) besucht eine Frau die ehemaligen Partnerinnen ihres Exmannes, eines jüdischen Emigranten, der als bedeutender Schriftsteller gilt. Bei den Gesprächen stellt sich heraus, dass der vermeintliche Jude gegen Kriegsende eine falsche Identität angenommen hat. Diese Tatsache wird nun zum Anlass für den Roman und sie verweist damit weniger auf die Enthüllung einer Wahrheit als vielmehr auf die Geschichte ihrer Auffindung und literarischen Bearbeitung.

Wie leicht Fiktionalität für Faktizität genommen wird, zeigt sich auch in der Kritik an Gstreins Roman »Das Handwerk des Tötens« (2003). Während der Autor die Ermordung eines Reporters im Kosovokrieg zum Anlass für die Hinterfragung aller Kriegsberichterstattung nimmt, störten sich Kritiker am Bezug zu realen Vorbildern und deren angeblicher Wertung. Gstrein reagierte darauf mit dem Essay »Wem gehört eine Geschichte?« (2004).

Sein jüngster Roman »Die Winter im Süden« (2008) erzählt von einem kroatischen Faschisten, der nach dem Zweiten Weltkrieg nach Argentinien auswandert und seine Familie zurücklässt. Seine Tochter wird zwischen dem Bewusstsein seiner Schuld und dem selbstgerechten Antifaschismus ihres Mannes aufgerieben, nicht erst als der Vater 1990 zurückkehrt, um sich für das unabhängige Kroatien einzusetzen.

Norbert Gstreins Romane wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Alfred-Döblin-Preis, dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Uwe-Johnson-Preis.

© internationales literaturfestival berlin

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