10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2009 / Nora Iuga

Nora Iuga  [ Deutschland, Rumänien ]

Biographie

Nora Iuga Portrait
© Klett-Cotta

Gast des ilb 2008, 2009.

Bibliographie

Captivitatea cercului
Cartea Românească
Bucureşti, 1970

Inima ca un pumn de boxeur
Cartea Românească
Bucureşti, 1982

Piaţa cerului
Cartea Românească,
Bucureşti, 1986

Cîntece
Cartea Românească
Bucureşti, 1989

Săpunul lui Leopold Bloom
Cartea Românească
Bucureşti, 1993

Der Autobus mit den Buckligen
Akad. Schloss Solitude
Stuttgart, 2003
[Ü: Ernest Wichner]

Sexagenara şi tânârul
Polirom
Iaşi, 2004

Gefährliche Launen
Klett-Cotta
Stuttgart, 2007
[Ü: Ernest Wichner]

Übersetzer: Ernest Wichner, Nora Iuga

Nora Iuga wurde 1931 in Bukarest geboren. Aus einer Künstlerfamilie stammend, wuchs sie u.a. in Deutschland, Belgien und den Niederlanden auf – wohin ihre Eltern auf eine zweijährige Tournee gegangen waren – sowie im siebenbürgischen Sibiu und in der rumänischen Hauptstadt. Nach ihrem Germanistikstudium arbeitete sie als Deutschlehrerin, Bibliografin in der zentralen Staatsbibliothek, Redakteurin bei der deutschsprachigen Tageszeitung »Neuer Weg« und bei der Zeitschrift »Volk und Kultur«, als Lektorin beim staatlichen wissenschaftlich-enzyklopädischen Verlag sowie als Übersetzerin und Leiterin der Sektion für Poesie des Schriftstellerverbands. Mit ihrer Ironie und agilen Geistesschärfe geriet sie immer wieder mit den kommunistischen Autoritäten ihres Landes in Konflikt.

Dennoch etablierte sie sich über die Jahre immer stärker – und über die Revolution von 1989 hinaus – als bedeutende Stimme der rumänischen Lyrik. Dichtern verschiedener Generationen gilt sie als Referenzpunkt. Ihr immer vielfältigeres Werk zeigt bis heute den Einfluss der Gruppe der »Oniriker«, der sie anfänglich nahestand und die den Surrealismus in der rumänischen Literatur wiederbeleben wollte. Rastlos zwischen verschiedensten Kontexten springend kreisen ihre reimlosen Verse in unterschiedlichen lyrischen Formen um Körperlichkeit, Sehnsüchte und Begehren und verbinden in eindrücklichen und frischen Bildern Melancholie mit Lebensgenuss. »Ich kann nicht in einem einzigen Gefühl bleiben längere Zeit«, gestand Iuga in einem Interview, »denn es wird mir schrecklich langweilig, vor allem im Schmerz oder in Melancholie oder, weiß ich, in Schwermut. Das ist ein Wort, ich muss immer darüber lachen, es ist so deutsch, ich weiß nicht wie, es bringt mich immer zum Lachen.«

Nach dem Erscheinen ihres zweiten Gedichtbandes, »Captivitatea cercului« (1970; Ü: Gefangen im Kreis), wurde Iuga mit einem Publikationsverbot belegt. Erst acht Jahre später konnte ihr dritter Gedichtband erscheinen, dem bis heute neun weitere folgten. Seit den achtziger Jahren übersetzte Iuga auch aus dem Deutschen, insbesondere zeitgenössische Autoren wie Grass, Jelinek, Bernhard, Pastior, Schädlich und Herta Müller. 1993 wurde Iugas erster von bislang vier Romanen, »Săpunul lui Leopold Bloom« (Ü: Die Seife des Leopold Bloom), veröffentlicht. Auf Deutsch erschien nach der Übersetzung ihres Gedichtbandes »Autobuzul cu cocoşaţi« (2002; dt. »Der Autobus mit den Buckligen«, 2003) zuletzt die Auswahl »Gefährliche Launen« (2007), die mit Bewunderung und Hochachtung aufgenommen wurde.

Iuga wurde in Rumänien mit fünf Preisen des Schriftstellerverbandes, zwei Preisen der Zeitschrift »Cuvîntul« (Das Wort) und den Preisen der Städte Slobozia, Satu-Mare und Călăraşi ausgezeichnet. 2007 wurde sie für die Vermittlung deutscher Kultur mit dem Friedrich-Gundolf-Preis geehrt. Sie war u.a. Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude und Writer-in-Residence im Müllerhaus Lenzburg, Schweiz. Iuga lebt in Bukarest.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

In Berlin zu leben will gelernt sein; man muss schnelle Reflexe ausbilden, um „ja“ oder „nein“ sagen zu können.

Etwa wie viele Migrationen Asiens nach Europa kennt die Geschichte? Ist dies ein notwendiges Übel? Bekommt es der Menschheit? In Berlin begegnet man neben jedem zehnten Deutschen einem Türken oder Araber, einem Chinesen oder Russen. Ich glaube dieses Phänomen fällt bloß Fremden auf. Die Berliner haben sie bei sich aufgenommen, stoßen sie nicht mehr ab wie eine Verunreinigung. Ich hatte mir nie vorgestellt: das deutsche Volk tolerant. Ganze Viertel mit Ausländern, die verlangen, man möge etwas von sich abgeben, von deinen Kleidern, deiner Nahrung, die verlangen so aussehen zu dürfen wie du. Und du akzeptierst das. Woraus wird die Toleranz geboren, aus Reichtum oder aus Interesse?

abgelegt unter: